Dampflokreise von Uppsala

Einmal mit einer richtigen Dampfeisenbahn zu fahren - das ist wohl ein von vielen gehüteter Kindertraum. Wer das Träumen nicht aufgehört hat, kann ja auch nach Uppsala fahren. Von der schwedischen Universitätsstadt verkehrt eine kleine Bimmelbahn nach Almunge.

Schnaubend und stampfend verlässt der Museumszug das Nebengleis des Hauptbahnhofes von Uppsala. Im Sommer kann man von Donnerstag bis Sonntag hier eine Reise in die Vergangenheit machen. Das kleine schwarze Ungetüm und die sieben Wagen stehen bereit für eine Reise im Stil von anno dazumal. Die Landschaft passt sich ebenfalls der Reise an. Der Zug rattert durch ein sommerliches Schweden mit roten Holzhäusern, Birken- und Fichtenwäldchen, vorbei an Raps- und Getreidefeldern und kleinen, pittoresken Ortschaften. Der rauchige Kohlengeruch der Dampfschwaden dringt in den offenen Wagen.

Lok schon über hundert Jahre alt
Wir haben eine Fahrt bis nach Marielund gelöst. Dort ist Roland Bohl Stationsvorsteher. Der Holländer hat eine große Leidenschaft - alte Eisenbahnen. Bohl ist Mitglied in dem privaten Verein, der die Strecke und das rollende Material unterhält und pflegt. Er erzählt uns etwas über die Lok, mit der wir hierher gekommen sind: "Das ist eine Lok aus dem Jahr 1909. Ursprünglich kommt sie von der Strecke Bufala-Långshyttan in Dalarna 100 km nordwestlich von hier. Es ist eine Schmalspurbahn -891 Millimeter."

Rund 15 Mitglieder des Vereins sind jeweils in den Zügen und rund um die Strecke beschäftigt. Insgesamt hat der Verein 150 Mitglieder - alles ehrenamtliche Helfer und Eisenbahnphantasten. So einer ist auch Lokführerlehrling Gustav, der schon weiß, worauf es beim Dampflokfahren ankommt: "Am schwierigsten ist wohl das Bremsen. Das muss weich geschehen, damit es im Wagen nicht zu sehr rüttelt.

"Wie in der Sauna"
Zur Seite steht Gustav Heizer Alf. Ein Knochenjob und obendrein ein schmutziger dank des Kohlenstaubes - aber Alf ist einfach begeistert:
"Das ist ungefähr, als ob man in eine Sauna geht und dann arbeitet was das Zeug hält. Da rinnt nur der Schweiß so, wenn man Heizer auf einer Dampflok ist." Doch mit Schuften allein ist es nicht getan. Ein Heizer muss viel Einfühlungsvermögen mit sich bringen, wie Gustav erklärt: "Das muss er einfach lernen. Man braucht Gefühl für die Strecke - Wo es bergauf geht und mehr Kohle zugelegt werden muss. Dazu muss auch der Wasserstand kontrolliert werden, damit immer genügend vorhanden ist."

Doch bevor die Lok auf die Strecke geht, muss einiges an Vorbereitung geleistet werden. Einfach wie beim Auto einsteigen und Schlüssel umdrehen geht nicht: "Man muss wohl mit acht Stunden Vorbereitung rechnen. Es muss angeheizt werden, Waschen und Schmieren… Das kann man aber am abend zuvor machen. Dann muss man nur ein paar Stunden vor Abfahrt da sein, wenn die Lok angeheizt wurde."

Dampflok wurde von Liebhabern gerettet
Die Passion der Eisenbahnphantasten ist zur Freizeitattraktion für jung und alt geworden. Ursprünglich - beim Bau im Jahr 1866 - diente die Strecke jedoch ernsthaften, weil rein kommerziellen Zwecken, wie Roland Bohl erklärt: "Die Eisenbahn ist in Abschnitten gebaut worden. Die ursprüngliche Strecke war von Uppsala nach Lenna einer Erzgrube. Früher gab es hier eine Stahlfabrik."

Mit der Stillegung von Grube und Stahlwerk hätte eigentlich auf der Eisenbahnstrecke das letzte Stündlein schlagen müssen, denn das Interesse der staatlichen Eisenbahn SJ kam schnell zum erliegen. "SJ hat hier den Personenverkehr 1964 eingestellt. Der Güterverkehr endete 1977. Aber seit 1977 gibt es unseren Verein, der hier mit Dampfzügen fährt".

In Marielund, wo wir ausgestiegen sind, kann man in einen Schienenbus aus dem Jahr 1955 umsteigen und wieder nach Uppsala zurückfahren. Die Strecke ist für viele eine höchst willkommene Ergänzung des Freizeitangebotes geworden. "Das sind viele Leute, die von Uppsala nach Fjällnora fahren, ein Badestrand nicht weit von hier. Das sind meist Familien mit Kindern. Aber wir möchten hier auch mehr Leute von außerhalb Uppsala sehen, die Stockholm besuchen. Das ist ein schöner Ausflug", sagt Bohl.

Es sollte nicht allzuschwer sein, Touristen zu dieser pittoresken Reise in die Vergangenheit anzulocken - auch wenn das Serviceangebot eben harte Bänke in der dritten Klasse und offene Ausflugswagen beinhaltet.

Linktipp: Touristeninformation Uppland http://res.till.uppland.nu/turist/action.lasso?-database=Turist.fp3&-layout=svenska&-response=swe_turistlayout1.lasso&-recordID=88&-search

Dieter Weiand

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