Entscheidung für Peking findet wenig Jubel

Mit einer historischen Entscheidung hat das Internationale Olympische Komitee Peking zum Austragungsort der Olympischen Spiele 2008 bestimmt. Doch in Schweden werden die Stimmen immer lauter, die der kommunistischen Volksrepublik China unter keinen Umständen das bedeutendste Sportfest der Welt überantworten wollen. Bereits im Vorfeld war der Favorit China wegen der Menschenrechtsproblematik heftig umstritten.

"The games of the 29th Olympiade in 2008 are awarded to the city of Bejjing"

IOC-Präsident Antonio Samaranch verkündet den Sieg der chinesischen Hauptstadt. Die IOC-Mitglieder entschieden sich trotz der bis zuletzt anhaltenden Proteste der Europäischen Union und von Menschenrechtsorganisationen für die 12-Millionen-Metropole. Bei der 45-minütigen Präsentation am Mittag wurden die Chinesen nicht ein einziges Mal mit der Menschenrechtsproblematik konfrontiert.

Trotz mangelnder Demokratie geeigneter Gastgeber?
Doch während Peking den Sieg mit Feuerwerk feiert, tobt in Schweden ein leidenschaftlicher Streit um die weltpolitische Bedeutung einer auf dem ersten Blick rein sportlichen Entscheidung. Unverblümt spricht die schwedische Sportministerin Ulrica Messing dem Riesenreich die demokratische Reife und damit auch die Eignung als Gastgeber der Spiele ab. Es sei eine Schande für die Völkerfamilie, wenn die Wettkämpfe ausgerechnet in jenen Arenen ausgetragen würden, wo zuvor hunderte von Menschen öffentlich hingerichtet wurden, meint Messing. Nach der heutigen Entscheidung in Moskau verteidigte die Ministerin ihren ungewöhnlichen Vorstoß: "Ich finde, dass man als schwedische Ministerin nicht nur ein Recht hat, sich zu so wichtigen Fragen wie den Menschenrechten zu äußern. Man hat auch die Pflicht dazu. Und der bin ich persönlich und emotional nachgekommen. Ich finde es nicht gut, dass die Olympischen Spiele als größtes Ereignis auf der Welt, die sich selbst als friedensstiftend bezeichnen, in ein Land vergeben werden, dass so offensichtlich gegen die Menschenrechte verstößt. Das ist weder für die Olympischen Spiele noch für die Glaubwürdigkeit des Olympischen Komitees gut. Und ich befürchte auch, dass es die Menschenrechte in China nicht beeinflussen wird."

Schwedens Boykott-Aufforderung verpuffte beim IOC
Für ihr Engagement hat Messing viel Prügel einstecken müssen. Als sie die schwedischen IOC-Mitglieder zu einem Boykott Pekings aufforderte, verbaten diese sich die ungebührliche Einmischung. Politische und ideologische Fragen dürften in der Welt des Sports keine Rolle spielen. Doch schwedische Menschenrechtsorganisationen und Exil-Tibeter geben der Ministerin Recht.
Eine Vergabe an China, die mit enormen Investitionen einhergehen würde, sei eindeutig das falsche Signal, so der Tenor auch der meisten Presseberichte. Das bekam auch der schwedische Tischtennis-Star Jan-Ove Waldner zu spüren, der sich an einer Werbekampagne für die Spiele in Peking beteiligte. Die Zeitung Dagens Nyheter veröffentlichte einen offenen Brief, in dem frühere Nationalmannschaftskameraden die Rolle Waldners in der chinesischen Charmeoffensive kritisierten.

Doch gestandene Sportjournalisten wie Ken Olofsson vom schwedischen Fernsehen mahnen zur Gelassenheit. Die Spiele sind einfach zu wichtig, um fernzubleiben, meint Olofsson: "In Zeiten des Kalten Krieges haben wir eine Reihe von Boykotts erlebt. 1976 traten afrikanische und arabische Länder die Spiele in Montreal wegen der Südafrikafrage nicht an. 1980 in Moskau nahmen die USA nicht teil. Die Antwort darauf war das sowjetische Fernbleiben bei den Spielen von Los Angeles, vier Jahre später. Seitdem ist der Boykott zurückgegangen und das hängt wohl mit der Kommerzialisierung der Spiele zusammen. Es hängen zu viele wirtschaftliche Interessen an der Veranstaltung, um den Boykott als Waffe einzusetzen."

Alexander Budde

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