Schwedisches Sommervergnügen: Turnen im Park

Wenn es im Hochsommer sogar in Schweden so richtig schön warm wird, möchten alle so viel wie möglich im Freien zu sein. Alle Freizeitbeschäftigung, die nur drinnen möglich ist, fällt bis auf weiteres flach. Vor allem die Fitneß-Studios stehen leer. Kein Wunder, wer will schon drinnen trainieren, wenn man doch viel besser ins Freibad oder an den Strand gehen kann. Schwedische Fitneß-Studios haben sich angepasst: Sie bieten einfach Sportkurse im Freien an, gratis und den ganzen Sommer über.

Punkt 18 Uhr ist es mit der schläfrigen Sommerruhe im Stockholmer Tantolunden vorbei. Dann strömen schätzungsweise 200 Sport-Begeisterte in den Stockholmer Park. Die meisten kommen mit dem Fahrrad, viele sind hergejoggt. Sie stellen sich weit verstreut um ein quadratisches Podest auf. Aus Lautsprechern dröhnt Popmusik. Eine junge Frau steigt auf das Podium, und sofort imitieren alle, was sie vormacht. Im Kreis laufen, Armkreisen, auf der Stelle hüpfen, dann im Rhythmus laufen und dabei über dem Kopf in die Hände klatschen…
Zwischendurch ordnet die Kursleiterin Kraft- und Dehnübungen an. Ganz wie im normalen Fitneß-Kurs, nur eben draußen.

Freiluft-Kurse hoch im Trend
Åsa Nyberg ist Sekretärin bei einer Versicherungsgesellschaft im Bürogebäude direkt neben dem Park. Sie geht zweimal in der Woche direkt nach der Arbeit zum Training. "Ich finde es toll, dass alle möglichen Leute hierher kommen. Hier wird man nicht komisch angeguckt, wenn man keine supermodischen Sportsachen anhat", vermerkt sie lobend. "Man kann aussehen wie man will, man kann alt sein oder jung, Mann oder Frau, das spielt hier alles keine Rolle."
Einige Fitneß-Studios bieten den ganzen Sommer über solche Freiluft-Kurse an. Im Juli und August findet man in Stockholm fast jeden Tag mindestens eine Veranstaltung, in den Parks und Grünanlagen. Auch in Göteborg gibt es den Freiluft-Sport. Alle Kurse sind gratis. Und sie ziehen immer mehr Menschen an. Im Stockholmer Tantolunden hüpfen Sportbegeisterte zwischen 5 und 80 Jahren.
Johanna Ullman ist Rentnerin. Als sie im vorigen Jahr zum ersten Mal da war, hatte sie Hemmungen, im Park, wo alle zugucken können, so alberne Bewegungen zur Musik zu machen. Aber schon nach fünf Minuten waren ihre Bedenken verschwunden. "Das vergisst man, wenn man erstmal angefangen hat. Man hat ja mit sich selbst genug zu tun. Da denkt man nicht mehr drüber nach, dass Leute drum herum stehen. Diese Form von Sport ist toll, weil alle so mitmachen können, wie sie wollen. Es ist nicht so eitel wie im Studio mit all den Spiegeln um einen herum. Ich glaube, deshalb ist es so populär."

Hohes Gesundheitsbewusstsein in Skandinavien
Volkssport im Freien ist überhaupt bei den Schweden sehr beliebt. Jeden Sommer finden zahllose Langstreckenläufe, Radrennen und Schwimmwettkämpfe für jedermann statt. Johanna Ullman sieht das als ein Zeichen skandinavischen
Gesundheitsbewusstseins: "Ich glaube, wir hier im Norden sind sehr bedacht darauf, dass es uns gut geht. Man denkt daran, gesund zu essen und sich genug zu bewegen - genauso wie man auch daran denkt, sich zu Hause augenschonende Lampen aufzuhängen."

Nach einer Dreiviertelstunde schweißtreibender Betätigung in der Sonne dreht die Kursleiterin die Popmusik etwas leiser. Noch ein paar Dehnübungen, dann sind die energischen Sportler in den Feierabend entlassen. Wer immer noch nicht genug hat, kann sich noch einer von zwei Jogging-Gruppen anschließen, die unter fachkundiger Leitung noch ein paar Runden durch den Park drehen.

Wiebke Pankauke