Gemischte Bilanz bei Exit

Exit - Ausstieg - so nennt sich eine Organisation, die seit 1998 jungen Rechtsradikalen und Neonazis helfen will, wegzukommen von diesem Milieu. Der von der Regierung eingesetzte Beirat für Kriminalitätsverhütung hat jetzt die Arbeit von Exit unter die Lupe genommen. Erfolg aber auch Mängel wurden dabei festgestellt.

133 Jugendliche haben bis zum Mai 2001 Kontakt mit Exit aufgenommen. 125 davon ist der Aussteig aus der kriminellen Karriere gelungen. Eine Bilanz, die sich sehen lassen kann. Das findet auch Stina Holmberg. Die Gutachterin des Beirates für Kriminalitätsverhütung weist jedoch auch auf Schwachpunkte hin.
"Wir sind der Ansicht, dass Exit gute Arbeit geleistet hat. Aber es handelt sich hier um eine kleine Organisation. Diese Arbeit muss ausgeweitet werden. Dabei müssen auch die Behörden mehr Verantwortung übernehmen. Es gibt immer noch Jugendliche, die nicht die Hilfe bekommen, die sie brauchen, wenn sie zur der schwierigen Entscheidung kommen, eine solche Gruppe zu verlassen. Das ist enorm schwierig".

Über 50 Prozent sind schon verurteilt
Oft handelt es sich um Aussteiger mit krimineller Vergangenheit. Drei von vier haben bei Exit eingestanden, eine Straftat begangen zu haben. Die Hälfte ist rechtskräftig verurteilt. Die meisten von ihnen sind jung - um die 17 Jahre. Exit versucht, ihnen im sozialen Niemandsland eine Orientierung zu geben. Der Grundgedanke in der Arbeit der Organisation ist, dass ehemalige Aussteiger dabei helfen sollen.

Die Regierung hat für die Arbeit von Exit in diesem Jahr 2,7 Millionen Kronen bereitgestellt. Geld, das dringend benötigt wird, wie die Exit-Betreuerin Anita Bergvide bestätigt. "Manchmal habe ich das Argument gehört, dass es eben einfacher sei, in der Gruppe zu bleiben. Da weiß man was falsch und richtig ist, da hat man seine Freunde. Plötzlich steht man sonst ganz alleine da. Wenn man dann keine Unterstützung bekommt, kehren sie lieber wieder zurück, glaube ich. Das ist nicht bei vielen der Fall, aber es ist schon vorgekommen."

Eine Kommission der schwedischen Regierung soll jetzt mit Vorschlägen kommen, wie die Arbeit in Zukunft organisiert und finanziert werden soll. Denn trotz der Erfolge von Exit warnen die Experten. Wenn nicht freiwillige Helfer die Arbeit so eifrig unterstützt hätten, wäre der Erfolg wohl kaum messbar gewesen. Das hätten die Beispiele in Deutschland und Norwegen gezeigt. Stina Holmberg vom Beirat für Kriminalitätsverhütung fordert daher, dass die Gesellschaft mehr Verantwortung und Initiative übernehmen muss, damit Jugendliche erst gar nicht in die Gesellschaft von Neonazis und Rassisten geraten.

Dieter Weiand

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