Probleme mit der Wehrpflicht

In Europa wehen neue Winde. Frankreich hat seit 1997 eine Berufsarmee und laut einem Regierungsbeschluss im Sommer 2001 wird die allgemeine Wehrpflicht abgeschafft. Überall in den EU-Staaten schrumpfen die Verteidigungshaushalte. Schweden führte im Jahr 2000 eine radikale Umorganisierung seiner Streitkräfte durch und sieht sich nun mit unliebsamen Folgen konfrontiert.

Umorganisation hatte man es genannt, Einsparungen waren gemeint. Im vorigen Jahr reduzierte Schweden seine Streitkräfte radikal. Gleichzeitig sank die Zahl der Wehrpflichtigen auf ein Drittel der bisherigen Einberufungen. Viel Spielraum bei der Besetzung der unterschiedlichen Funktionen beim Militärdienst ist da nicht mehr vorhanden. Jeder, der ausfällt, hinterläßt ein Lücke, und das wird zum Problem für Führung der Streitkräfte.

"Motivation ist gesunken"
"Wir sind jetzt gezwungen, alte Wehrpflichtige länger zu behalten, damit alle Funktionen wieder besetzt werden können", erklärt Clas Krönmark, Chef der Wehrpflichtabteilung im Verteidigungsstab. Der Grund dafür, dass Krönmark gezwungen ist, alte Wehrpflichtige länger zu behalten sind die vielen Abgänge bei den neuen Jahrgängen. Im vorigen Jahr schied fast jeder 5. vorzeitig aus der Wehrpflicht aus, bei den Eliteverbänden war es jeder vierte. Medizinische Gründe werden angegeben, aber Militärarzt Lars Nordberg bei der staatlichen Verwaltung für die Gesamtverteidigung sieht einen weiteren Zusammenhang: "Der Grund sind die großen Veränderungen in der Organisation. Dadurch ist die Motivation bei den jungen Soldaten gesunken. Hinzu kommt auch der radikale Wechsel im Lebensstil vom individuell ausgerichteten Leben zum streng organisierten Militärleben. Das ist für die meisten jungen Männer ein regelrechtes Schockerlebnis, das zu physischen und psychischen Problemen führt."

Beitragende Ursache für den Mangel an Motivation bei den jungen Soldaten ist offenbar auch die Tatsache, dass sie nunmehr nur noch ein Drittel ihrer Jahrgänge ausmachen. Während womöglich der beste Freund studieren, Geld verdienen und abends problemlos die Verlobte treffen kann, muss der Wehrpflichtige seine Zeit in der Kaserne und einem großen Schlafsaal verbringen. Ein Schicksal, dass früher alle traf, ist offenbar einfacher zu ertragen.

Gundula Adolfsson

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