Euro-Befürworter gewinnen an Boden

Die Tage von D-Mark, Lira, Franc, Schilling und wie sie alle heißen sind gezählt. Zum Jahresbeginn kommt der Euro in elf Ländern Europas als Zahlungsmittel bar auf die Hand der Bürger. Schweden hat bisher gezaudert. Ministerpräsident Göran Persson und seine Sozialdemokraten wollen eine Volksabstimmung zu diesem Thema entscheiden lassen. Doch erst, wenn die Regierenden sich nahezu sicher sein können, dass das Ergebnis positiv ausfällt. Dieser Zeitpunkt scheint immer näher zu rücken.

44 Prozent der Schweden wollen den Euro, 44 Prozent wollen ihn nicht, der Rest ist unentschieden. So belegt es eine neue Umfrage im Auftrag des Wirtschaftsblattes "Finanstidningen". Zum ersten Mal seit langer Zeit haben damit die Befürworter gleichgezogen.

Macht Kronen-Schwäche den Euro stark?
Ein dramatischer Umschwung, denn nach dem Nein Dänemarks zur Währungsunion hatten die Euro-Gegner Ende des vergangenen Jahres einen Vorsprung von 25 Prozentpunkten. Während die Soziologen und Politikwissenschaftler sich auf diese Wende nicht so Recht einen Reim machen können, hat Göran Persson eine Erklärung parat. Der Ministerpräsident macht nämlich die Schwäche der Krone als Ursache aus. Im Sog der flauen Konjunktur hat die Krone gegenüber dem ohnehin nicht starken Euro um über 10 Prozent im letzten halben Jahr nachgegeben. Viele Schweden mussten deshalb im Sommerurlaub erleben, dass für ihre Kronen nicht mehr soviel zu haben ist. "Unser kleine Wirtschaft ist verwundbar. Wenn wir draußen bleiben, sind wir ein Spielball der internationalen Devisenspekulation", sagt Persson.

Die Schweden werden sich an die Jahre 1991 und 1992 erinnern, als die Krone einer massiven Währungsspekulation ausgesetzt war. Die Reichsbank versuchte zunächst die Währung mit Zinsen bis zu 500 Prozent zu verteidigen. Doch dieses Ziel war bald zu teuer. Man ließ die Krone floaten und flugs verlor sie über ein Viertel ihres Wertes.

Beitritt zur EU gleichbedeutend mit Euro-Zustimmung?
Persson baut darauf, dass sich die Schweden jetzt daran erinnern und ihre zögernde Haltung gegenüber dem Euro aufgeben. Dabei befindet sich Schweden in einer heiklen Zwickmühle - denn eigentlich hat das Land bei der Volksabstimmung zur EU im Jahr 1994 nicht nur Ja zur EU sondern auch Ja zum Euro gesagt. Damals hatten es nur die meisten Politiker geflissentlich versäumt, den Bürgern diesen Zusammenhang klarzumachen. Herauslaviert hat sich Stockholm aus dieser Situation mit diplomatischen Manövern, die in den Korridoren von Brüssel nur mit einem Stirnrunzeln zur Kenntnis genommen wurden.

Schon allein deswegen, bemüht sich Persson vor allem um seine in dieser Frage so wankelmütigen Sozialdemokraten. Jetzt, wo der Euro immer konkreter wird, scheint der Zeitpunkt für eine Volksabstimmung mit einem Ergebnis im Sinne Perssons immer näher zu rücken. Optimistisch hatte Persson auch schon bekanntgegeben, dass ein Beitritt seines Landes zur EWU bis 2005 im Bereich des Möglichen sei. Doch wetten möchte im euroskeptischen Schweden niemand darauf. Viel hängt nach Meinung der Experten jetzt davon ab, wie die Einführung des Euro läuft. Geht alles gut, werden die Befürworter wohl Rückenwind in ihren Segeln haben - geht es schief, so wird das schwedische Euro-Schiff erstmal wieder in die Flaute segeln.

Dieter Weiand

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