Homo-Ehe vor dem Traualtar?

Seit 1994 können in Schweden Homosexuelle eine registrierte Partnerschaft eingehen. Fast 2 000 Paare haben davon bislang Gebrauch gemacht. Noch weigern sich die Kirchenfürsten ihren Segen über die homosexuellen Paare zu sprechen. Doch Schwedens Justizminister will den Schwulen im Kampf um die Gleichberechtigung jetzt einen Schritt weiterhelfen.

Ein Mann und eine Frau treten vor den Traualtar und geben sich das Jawort. Wenn sie die Kirche verlassen, hat ihre Ehe Rechtsgültigkeit. Nicht so bei homosexuellen Paaren. Zwar sind einige Pfarrer bereit, in einer kleinen Zeremonie ihren Segen zu sprechen. Ein kirchliches Trauungsritual aber gibt es noch nicht. Dabei sind die „registrierten Partnerschaften", wie die „rosa Ehen" im offiziellen Sprachgebrauch heißen, eigentlich nichts Ungewöhnliches. Seit sieben Jahren schon sind sie in Schweden gestattet. Wenngleich die Zahl der standesamtlich registrierten Partnerschaften relativ niedrig blieb: Rund 2 000 Paare leben in derartigen Beziehungen. Und da es in Skandinavien voll akzeptiert ist, unverheiratet zusammenzuleben - „Sambo" nennen die Schweden solche Paare -, ist auch für Schwule und Lesben der Drang zum Standesamt nicht sonderlich groß.

"Frage des respekts"
Dessen ungeachtet hat Justizminister Thomas Bodström jüngst angekündigt, er wolle einen Schritt weitergehen und den Schwulen den Weg in die Kirchen bahnen. Künftig soll den Glaubensgemeinschaften erlaubt sein, rechtsgültige Trauungen zu vollziehen. Das ist allein schon eine Frage des Respekts, meint Bill Schiller, der seinen langjährigen Partner geheiratet hat. Er lebt mit ihm in Stockholm, gemeinsam mit dessen Tochter aus erster Ehe. „Es gibt keinen Unterschied zwischen Homosexuellen und Heterosexuellen. Keine Kirche kann die Tür auf und dann wieder zu machen. Kein Reichstag, kein Staatsminister darf sagen, Ihr seid Menschen und Ihr seid Untermenschen. Das geht nicht. Wir akzeptieren das nicht."

Was in Schweden die Gemüter erregt, ist im Nachbarland Dänemark längst ausdebattiert. Als sich im Oktober 1989 sieben schwule Paare im Kopenhagener Rathaus trauen ließen, war dies noch eine Weltsensation. Heute sind dänische Homo- und Heterosexuelle im Steuer- und Erbrecht, bei Rentenansprüchen und Versorgerpflicht einander völlig ebenbürtig. Und auch beim strittigen Thema Adoption nimmt das Nachbarland eine Vorreiterrolle ein.

Nach langem Kampf hat das Kopenhagener Parlament die „Stiefkindadoption" erlaubt: wenn einer der Partner Kinder aus einer früheren Beziehung mitbringt, können diese von dessen Lebensgefährten adoptiert werden. Schon im nächsten Jahr will Schweden nachziehen. Die regierenden Sozialdemokraten und die meisten Parteien befürworten ein Adoptionsrecht unter bestimmten Auflagen. Eine Regierungskommission prüft die Grundlagen für eine Gesetzesnovelle. Kinder brauchen Vater und Mutter, meinten konservative Familienpolitiker lange Zeit, und in einer „Homo-Ehe" aufzuwachsen sei für die Kleinen belastend. Doch in Schweden wachsen Tausende Kinder ohne ihre beiden Eltern auf. Und eine stabile „Homo-Ehe" gibt mehr Geborgenheit als ein zerrüttetes Zuhause, meint Bill Schiller: „Die Tochter meines Partners ist zwölf Jahre alt. Sie ist bei uns jede zweite Woche. Sonst ist sie bei der Mutter. Jetzt ist alles gut. Aber wenn ein Autounglück wäre und sie stirbt und nachher stirbt mein Mann: Das ist keine Garantie, dass das kleine Kind bei dem erwachsenen Mann, den sie als Vater kennt, dass sie bei mir bleiben kann. Und das ist die Unsicherheit."

Alexander Budde

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