UN-Bericht sieht Defizite in Schwedens Gleichberechtigungspolitik

Wenn es um die Gleichstellung von Mann und Frau geht, wird Schweden gern als Vorzeigeland gehandelt. Hier müssen sich nicht nur die Männer am Elternurlaub beteiligen, um in den Genuss von staatlicher Unterstützung zu kommen. Hier bekommen Frauen auch einen Großteil ihres Lohnes während der Kinderbetreuung weiterbezahlt - wenn sie fest angestellt sind. Doch dass es in einigen Bereichen noch große Defizite gibt, hat jetzt ein Bericht der UNO herausgefunden, der im September 2001 vorgestellt wurde.

Deutliche Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen, wenig weibliche Chefs in der privaten Wirtschaft und Sexhandel mit ausländischen Frauen. Das sind einige der wunden Punkte, die die neue Untersuchung der Vereinten Nationen im gleichgestellten Schweden ausgemacht hat. Sie stellt fest, dass Frauen trotz gleicher Arbeit im Durchschnitt nur auf 83 Prozent des Lohnes ihrer männlichen Kollegen kommen. Auf Chefsesseln in der Privatwirtschaft haben nur fünf Prozent von ihnen Platz genommen und an den Hochschulen sieht es auch kaum besser aus: Nur gut jeder 10. Professor in Schweden ist eine Frau.

Weltweit gesehen steht Schweden gut da
Für Lise Bergh, im Wirtschaftsministerium für Gleichstellungsfragen zuständig, ist das kein Grund zum Verzweifeln. Schweden stehe im internationalen Vergleich gut da. Aus diesem Grund würden höhere Anforderungen an das Land gestellt. Außerdem sei seit der letzten Regierungsinitiative vor drei Jahren in Sachen Gleichstellung einiges passiert. Polizei, Sozialdienste und das Gerichtswesen seien sensibilisiert, misshandelte Frauen zu erkennen und sie tatkräftig zu unterstützen.

Das Gesetz, das seit fast drei Jahren den Kauf von Sexdiensten verbietet, wird von den Vereinten Nationen lobend erwähnt. Allerdings müsse man untersuchen, ob das Verbot nicht die verdeckte Prostitution fördert. Ähnlich sieht der UNO-Bericht das Gesetz, das die Ausweisung ausländischer Frauen nach einer Misshandlung verhindern soll. Theoretisch gut, doch in der Praxis oft erfolglos, so der Kommentar.

Lise Bergh guckt jedoch zuversichtlich in die Zukunft. Das Gesetz zur Gleichstellung von Frau und Mann sei in diesem Jahr verschärft worden. Doch damit sich die Stellung der Frau im Arbeitsleben verbessert, reichen Gesetze eben nicht aus. Es müsste sich auch das Arbeitsklima insgesamt verändern. Frauen wollen nicht Chefinnen werden, weil sie es unter den heutigen Bedingungen tun müssten, und das heizt: Überstunden ohne Ende. Ihr Fernbleiben aus den oberen Etagen sei ein gesunder Protest, so Staatssekretärin Bergh.

Agnes Bührig

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