Regierung erwägt Verlängerung von Fristen für Opfer von Zwangssteriliserungen

Das Sozialministerium erwägt, die Frist für staatliche Entschädigungszahlungen an zwangsweise Sterilisierte um zwei Jahre zu verlängern. In Schweden waren Zwangssterilisierungen bis 1976 gesetzlich gestattet. Bisher sind fast 58 Millionen D-Mark Entschädigung für zwangsweise Sterilisierungen ausbezahlt worden.

Zwischen 1935 und 1975 wurden in Schweden schätzungsweise 60.000 Menschen sterilisiert. Viele von ihnen ließen den Eingriff nur unter Zwang oder Drohungen über sich ergehen. Ihnen versprach der Staat 1999, als diese medizinischen Übergriffe endlich öffentlich kritisiert wurden, Entschädigungen. Binnen zwei Jahren sollten die Betroffenen ihre Ansprüche geltend machen, und diese Frist wird nun also vermutlich verlängert.

Antragsflut reißt nicht ab
Denn immer noch werden monatlich rund 20 neue Anträge gestellt. Mehr als 1.500 zwangsweise Sterilisierte sind bisher entschädigt worden. Über die Hälfte von ihnen lebte damals in Anstalten und Heimen. Vielfach wurden die Eingriffe an Menschen ausgeführt, die als geistesschwach oder geistig zurückgeblieben eingestuft wurden.

Bertil Hammarbäck war 40 Jahre Pfleger in dem Heim, das die meisten Sterilisierungen durchführen ließ. Er nennt ein Beispiel, warum ein Patient sterilisiert werden konnte: "Er stellte sich hin und urinierte in ein Gebüsch. Eine Frau, so ein Moralapostel, hielt ihn für einen Exhibitionisten. Wir glaubten das absolut nicht, so was lag ihm gar nicht. Aber die Sache kam der Anstaltsleitung zu Ohren, und der Patient hatte dann keine Wahl. Er gab schließlich sein Einverständnis zu einer Sterilisierung, um raus zu kommen. Das war sehr tragisch. Und ähnliche Schicksale gibt es viele."

Ein spezieller Ausschuss entscheidet nun in jedem einzelnen Fall, ob die Sterilisierungen unter Zwang oder psychischem Druck ausgeführt worden sind. Wenn das der Fall ist, werden umgerechnet knapp 37.000 D-Mark als einmalige Summe angewiesen. Mit dieser Entschädigung, so Sozialminister Lars Engqvist, gestehe die Gesellschaft ein, dass die Zwangssterilisierungen ein Fehler waren und bitte gleichzeitig um Entschuldigung.

Sybille Neveling

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