"Expedition Robinson" lockt die Schweden vor den Fernseher

Im fünften Jahr wird 2001 die Expedition Robinson schon ausgestrahlt, aber das Spektakel lockt immer noch Millionen Schweden vor die Bildschirme. Im Grunde läuft es darauf hinaus, dass die Kandidaten für mehrere Monate auf einer einsamen Tropeninsel ausgesetzt werden und sich mit konstantem Psychodruck das Leben schwer machen müssen.

In diesem Jahr war der Überlebenskampf der Robinsons so hart wie noch nie, versprechen die Programmacher des Schwedischen Fernsehens pünktlich zum Start der Seifenoper.

Kaum waren die neun Frauen und acht Männer auf einer einsamen Inselgruppe im südchinesischen Meer ausgesetzt worden, da schlug das Schicksal zu. Einer der Teilnehmer sauste auf dem Hosenboden eine Klippe herunter, schlug übel mit dem Kopf auf und klagte fortan über Schwindel und Kopfschmerz. Ein Arzt wurde gerufen - Segnung der Zivilisation - und brachte das erste unfreiwillige Opfer des Fernsehspektakels telegen ins Krankenhaus. Überhaupt war in diesem Jahr alles noch eine Spur härter. "Von uns bekamen sie bloß Wasser, eine Machete und Sonnenöl", betonten die Programmacher heute auf einer Pressekonferenz in Stockholm. "Aber Feuer gab es nicht und in den ersten Tagen standen nur Seetang und Kokosnüsse auf dem Speisezettel".

Teilnehmer: vom Fotomodel bis zum Deutschlehrer
Und doch wollten diesmal 17.000 todesmutige Wikinger dabei sein, nur 17 setzten sich in der Auswahl durch. Darunter ein 61-jähriger Deutschlehrer aus Ytterby, ein 27-jähriger Leiter eines Waisenheimes und ein 31-jähriges Fotomodel. Mehr als vier Millionen Schweden verfolgten das Finale im letzten Jahr vor dem Bildschirm. Was treibt uns dazu, mit anzusehen, wie wildfremde Menschen Biwaks bauen, mit Tampons Feuer anzünden und allerhand giftiges Getier verspeisen? Der Sozialpsychologe Bertil Törestad von der Uni Stockholm meint, es ist der pure Voyeurismus, die Lust, ganz gewöhnlichen Menschen in Konflikten und intimen Situationen zuzuschauen.

In diesem Herbst wird sich das schwedische Publikum an dergleichen satt sehen können. Neben der Expedition Robinson, die weltweite Nachahmung gefunden hat, stehen bei den privaten Kanälen ähnliche Shows mit so schillernden Namen wie "Temptation Island", "Die Farm" und "Gestrandet" auf dem Programm.

Alexander Budde

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