Besorgnis in Schweden wegen Milzbrandgefahr

Die Bedrohung durch Milzbranderreger erreichte Mitte Oktober auch Nordeuropa. Im südlichen Norwegen wurde ein Rathaus geschlossen, weil der Direktor der Gemeindeverwaltung einen Brief mit weißem Pulver erhalten hatte. Die Schreckenspost stellte sich später als Schabernack heraus. In Schweden wurden bis zum Wochenende rund Sendungen zur Analyse ins Labor geschickt. Besonders die Post, die bei der Regierung einging erregte Aufsehen, erwies sich jedoch glücklicherweise als ungefährlich. Die Reaktionen der Behörden sollten die Bevölkerung vor allem informieren und beruhigen.

"Wir nehmen solche Sendungen ernst, d.h. wir sehen zu, daß sie untersucht werden und daß man genau weiß, was sie enthalten." Mit diesen Worten kommentierte Sozialminister Lars Engqvist den Fund von verdächtigen Briefen in Schweden. Und er sprach zugleich die Vermutung aus, es könne sich um sogenannte Trittbrettfahrer handeln. Menschen, die durch die Medien erst dazu angeregt werden, diesen Angst einflößenden wie teuren Schabernack anzustellen.

Informationsvakuum sorgt für Irritation
Auch beim Forschungsinstitut der Gesamtverteidigung wird immer wieder betont, es sei wichtig, die Bevölkerung in diesen Zeiten ausführlich zu informieren. Auch über das, was man nicht weiß. Doch das sei schwer, wenn die Gerüchteküche nur so kocht und nicht nur Radio und Fernsehen, sondern auch noch per Internet die unterschiedlichsten Versionen kursieren, meint Björn Körlof, Generaldirektor der Forschungseinrichtung: "Es ist ziemlich schwer in modernen Gesellschaften, weil wir so viele Informationsquellen haben und so viele verschiedene Medien. Einfacher ist es in einer geschlossenen Gesellschaft, in der der Nachrichtenfluß abgestellt ist."

Informationsvakuum nennt Körlof den Zustand, wenn Menschen auf eine Nachricht wie jene über den genauen Inhalt der Briefe in Schweden warten. Und das Zentralamt für Gesundheits- und Sozialwesen weist darauf hin, dass Milzbrand nicht ansteckend ist. Selbst wenn Einzelne infiziert werden sollten, könnten sich die Menschen in ihrer Umgebung nicht bei ihnen anstecken. Zudem sei Schweden gut auf derartige Fälle vorbereitet, meint auch Fredrik Ellje von der Seuchenschutzbehörde:

"Wir haben eine gute Bereitschaft im Land. Einerseits, was die Analyse solcher Proben angeht, andererseits, wenn es um das Entdecken der Infektion beim Menschen geht. Außerdem haben wir große Lager von Antibiotika, die gegen Milzbrandbakterien helfen, wenn etwas passieren sollte."

Agnes Bührig

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