Elchjagd - in Schweden eine Passion

Für die einen sind sie mythische Tiere und die grauen Eminenzen des Waldes. Für andere jedoch gelten die vielen Elche in Schweden als Plage, die den Jungwald kahlfressen und unerwartet vors Auto springen. In jedem Herbst aber lassen sich die Schweden wieder von den Riesenhirschen in den Bann ziehen. Weit über 200.000 Jäger gehen dann auf die Pirsch - vom Waldarbeiter bis zum König.

Es ist Jagdsaison in Schweden und der Wald ist voller Elche. Da holt der Schwede gern die Büchse raus, nimmt sich ein paar Tage frei und geht auf die Pirsch. Und weil das so ist, sind Roland, Karl und ein gutes Dutzend weiterer Jäger heute in aller Frühe auf den Hof von Jan Henriksson gekommen, um beim Startschuss für die diesjährige Saison dabei zu sein. Mit dicken Gummistiefeln, leuchtenden Signalwesten und riesigen Flinten sind die Frauen und Männer aus Eksjö ausgestattet. Und die Profis unter ihnen haben auch ihre "Elchhunde" mitgebracht. Speziell ausgebildete Spaniel, die gar nicht abwarten können, dass es endlich losgeht.

Elche sind Tarn-Weltmeister
Die Jagd ist kompliziert, denn Elche sind klüger, als man glaubt, und Weltmeister im Tarnen und Täuschen. Die Jäger aus Eksjö greifen zu bewährter Taktik: In langen Treiberketten durchkämmen die Kinder aus den umliegenden Dörfern den Wald und schlagen mächtig Lärm. Die Jäger liegen rund um auf der Lauer und warten, dass die Langbeine herauslaufen.

"Die Treiberkette kommt von Süden, vereinigt sich mit der aus dem Norden und dann kommen sie hier raus. Und hier ringsum sitzen wir." Roland Ruden hat im Leben schon sage und schreibe sechs Elchen den Garaus gemacht. Doch einige Tiere hat der Mathematikstudent auch laufen lassen. "Eine Kuh mit einem Kalb dürfen wir nicht schießen und auch keine Stiere mit weniger als vier Enden. Den Rest dürfen wir schießen."

"Wache schieben auf dem Ameisenhaufen"
Wir sitzen nun schon eine ganze Weile auf dem uns zugeteilten Hochsitz, der passenderweise Ameisenhaufen genannt wird. Aus der Tiefe des Waldes ist das auf- und abwogende Gebrüll der Phalanx zu hören. Plötzlich stürmen eine riesige Elchkuh und ihr Kalb aus dem Unterholz. Mit langen staksigen Beinen aber erhobenen Hauptes laufen die Elche an uns vorbei. Keine 50 Meter entfernt von Roland Ruden und seiner Flinte. Schießen darf er nicht, denn eine Elchkuh mit Kalb ist unantastbar.

Ein paar Hügel weiter haben die Jäger doch noch Glück. Ein einzelnes Jungtier ist ihnen vor die Büchse gelaufen. Noch an Ort und Stelle wird der erst im Mai geborene Bulle weidgerecht zerlegt. Kein besonders appetitlicher Anblick. "Er hat jetzt einen Tannenzweig bekommen", freut sich Ruden, "als Zeichen dafür, dass er den Elch geschossen hat. Das macht man so bei uns."

Genaue Zahl der Elche ungewiss
In den letzten Jahren haben die Jäger in Südschweden immer seltener und immer weniger Beute gemacht, erzählt Jan Henriksson, der ein hohes Tier beim Jagdverband und Redakteur der örtlichen Jagdzeitung ist. "Schwer zu sagen, wieviele Elche es hier gibt. Aber wir wissen, dass es in den letzten Jahren weniger geworden sind. In den Achtzigern waren es 12-15 Elche pro Tausend Hektar und heute vielleicht noch 6 oder 7. Wir haben einfach recht viele geschossen."

Doch auf das ganze Land berechnet sind die Abschusszahlen gigantisch. Etwa 100.000 Tiere dürfen pro Saison geschossen werden. Knapp 9.000 Tonnen Fleisch wandern in die Tiefkühltruhen. Doch die Strecke ist schon aus ökologischen Gründen nötig, meint Henriksson, damit die Elche nicht den ganzen Jungwald kahlfressen. "Die Elche knabbern im Winter den Jungwald an, nicht sehr populär bei den Waldbesitzern. Dann gibt es die vielen Unfälle im Strassenverkehr. Und das wichtigste ist: Wir nutzen eine erneuerbare Ressource, ein feines Wild, das richtig gut schmeckt." Fazit nach sechs Stunden in den Wäldern Smålands: Ein Elch in der Pfanne, zwei auf freiem Huf und ein schwer beeindruckter Reporter.

Alexander Budde

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