Friedensbewegung über Terroranschläge und Afghanistankrieg

Nach den Anschlägen in den USA und den US-amerikanischen Angriffen auf Afghanistan tritt eine fast vergessene Gruppe wieder in Erscheinung: Die Friedensbewegung. Quietschfidel ist sie zwar auch in Schweden nicht, aber sie zeigt Lebenszeichen.

Die Zeiten, in denen Zehntausende gegen den Vietnamkrieg oder den NATO-Doppelbeschluss auf die Straße gingen sind lange vorbei. Wenn die Friedensbewegung heute zu einer Demonstration gegen die Terrortaten in den USA oder den Bombenkrieg gegen Afghanistan aufruft - dann kommen oftmals nur wenige Hundert.

Dennoch: Auch solche mageren Teilnehmerzahlen sehen die rund acht schwedischen Friedensorganisationen schon als Erfolg. In den 90ern hätten sie noch nicht einmal die mobilisieren können, meint Åke Wellén von der Dachorganisation schwedischer Friedensrat. Er könne gut verstehen, wenn es sich merkwürdig anhöre, wenn er vom Positiven spricht, das der Afghanistankrieg mit sich bringe. Aber er habe dazu geführt, dass die Friedensbewegung, die verschiedenen kleinen Organisationen in Schweden, sich wieder zusammengefunden haben. Gemeinsam verurteilen die meisten dieser Organisationen die Angriffe auf Afghanistan und analysieren ihre Hintergründe.

Alte Streitigkeiten sind vergessen, die verschiedenen Gruppen sind sich einig: Die Terroranschläge in den USA sind als Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu verurteilen - ebenso wie die US-amerikanischen und britischen Luftangriffe.

Dabei ist das öffentliche Interesse an der Friedensbewegung nach Beginn des Afghanistankriegs deutlich gestiegen, die Proteste dagegen werden lauter, meint Jens Petersson, Generalsekretär von Svenska freds- och skiljedomsföreningen, einer der renommiertesten Friedensorganisationen in Schweden. "Vielleicht ist es einfacher, den Westen zu kritisieren, weil wir selber der Westen sind und zu sagen: Wir wollen nicht, dass sich der Westen so verhält, wohingegen man vielleicht als gegeben ansieht, dass Terrororganisationen wie die bin Ladins ebenso verfahren. Vielleicht ist aber auch nur genügend Zeit vergangen. Zeit, die wir brauchten, um sowohl gegen den Krieg als auch gegen die Terrorangriffe zu reagieren", Petersson.

Aber auch wenn sich die schwedischen Friedensorganisationen als Teil der westlichen Welt betrachten: Ihr eigenes Land verstehen sie als neutral, nicht als Alliierten der USA. Diese Stellung habe Schweden bereits öfter als Konfliktvermittler genutzt, z.B. im Nahen Osten, heben sie hervor. Dass dagegen der schwedische Ministerpräsident Göran Persson den USA Unterstützung für die militärischen Angriffe zugesagt hat - dafür haben die Friedensorganisationen wenig Verständnis: "Es war unbedacht", von Göran Persson Formulierungen wie ´vorbehaltlose Unterstützung´ zu benutzten", kritisiert Petersson. "Auch wenn das dann etwas abgemildert wurde durch die Einschränkung, dass die Zivilbevölkerung nicht allzu harte Konsequenzen zu spüren bekommen sollte. Jetzt spürt sie aber harte Auswirkungen, deswegen sollte Schweden seine Unterstützung beenden und stattdessen einen Bombenstopp verhängen - als einen ersten Schritt", fordert Petersson.

Für diese Haltung gibt es schon heute eine Mehrheit in der schwedischen Bevölkerung, meinen die schwedischen Friedensorganisationen. Sie müssen sich allerdings auch Kritik für ihre Aktivitäten gefallen lassen: Unterschriftenlisten, Demonstrationen und Gespräche mit Politikern seien kein Mittel gegen Terrorismus. "Bomben", hält Åke Wellén dagegen, "sind es auch nicht."

Die Friedensbewegung bestehe aus kleinen Organisationen, die nicht über die Kapazitäten eines Außenministeriums verfügten, und fertige Lösungen ausarbeiten könnten. Aber er glaube nicht, dass die Möglichkeiten der Diplomatie, und die Möglichkeiten zur Vermittlung von Kontakten bereits völlig ausgeschöpft sind. Eine fertige konkrete Lösung könne er nicht anbieten, sagt Wellén, aber das sei schließlich auch nicht seine Aufgabe.

Auch, wenn er kein Patentrezept vorlegen kann: Für Åke Wellén steht fest, daß die US-amerikanische Maxime "Auge um Auge" am Ende nur dazu führt, daß die ganze Welt erblindet.

Hans-Peter Fischer

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