Energiepolitik

Anfang vom Ausstieg auf der Atomkraft

Es war eine Weltpremiere. Am Dienstag dem 30. November 1999 begann in Schweden der Ausstieg aus der Atomenergie. Zum ersten Mal hat ein Land nach einer Volksabstimmung einen Reaktor abgeschaltet. Der Kraftwerksbetreiber erhält eine umfassende Entschädigung.

30. November 1999, 23.45 Uhr: der Atommeiler Barsebäck 1, bei Malmö gelegen, wird endgültig abgeschaltet. Zehn Stunden vorher hatten die Arbeiter damit begonnen, den 600-Megawatt-Reaktor herunterzufahren.

Im benachbarten Dänemark reagiert man positiv auf die Schließung von Barsebäck 1. Denn die Millionen-Metropole Kopenhagen liegt gerade mal 40 Kilometer entfernt. Der dänische Ministerpräsident Poul Nyrup Rasmussen ist zufrieden, er bezeichnet die Schließung als einen Erfolg für die gesamt Öresund-Region.

Entschädigung für Atomwerk-Betreiber
Vor fast 25 Jahren war der Reaktor in Betrieb genommen worden. 1980 hatten sich die schwedischen Bürger dann in einer Volksabstimmung für den Ausstieg aus der Atomenergie entschieden. Bevor Barsebäck 1 abgeschaltet wurde, gab es langwierige Verhandlungen über eine Entschädigung des Eigentümers, des Energiekonzerns Sydkraft. Sydkraft erhält vom staatlichen Stromunternehmen Vattenfall als Ersatz die gleiche Menge an Strom, die in Barsebäck produziert wurde. Die Energie kommt aus dem Atomkraftwerk Ringhals. Sydkraft-Chef Lars Frithiof kann mit dem Abkommen gut leben: "Wir haben die Reaktoren Ringhals und Barsebäck verglichen und sie sind unterschiedlich alt. Das bedeutet, dass wir in Ringhals länger Strom erzeugen können, als wenn wir Barsebäck gehabt hätten."

Unterm Strich kommen auf den Staat für die Schließung von Barsebäck 1 an Entschädigungen und weiteren Kosten rund zwei Milliarden Mark zu. Barsebäck 2 soll in zwei Jahren vom Netz gehen. Doch wann die restlichen zehn schwedischen Atommeiler abgeschaltet werden, ist unklar. Vom ursprünglichen Zeitplan bis 2010 spricht inzwischen niemand mehr. Auch Wirtschaftsminister Björn Rosengren drückt sich unklar aus: "Eine ganze Weile. Lange nach dem Jahr 2010 schätze ich."

Umweltfreundlicher Energie = teure Energie
Als Folge der Schließung von Barsebäck 1 befürchten Beobachter einen erhöhten Kohlendioxid-Ausstoß. Anstelle des Atomstroms von Barsebäck 1 soll Strom aus konventionellen Kraftwerken aus Deutschland und Dänemark gekauft werden. Zumindest vorläufig. Langfristig ist geplant, die Energie durch neue, teure, aber auch umweltfreundliche Wind- oder Naturgas-Kraftwerke zu ersetzen.

Eine andere Möglichkeit wird in Schweden fast völlig außer Acht gelassen: weil Strom so billig ist, denkt niemand ans Energiesparen. Eine Kilowattstunde kostet nur vier Pfennige. In Deutschland bezahlt man mindestens vier mal so viel.

Markus Wetterauer

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