Wenn Roboter am Herzen operieren

Die erste mit Roboter-Hilfe gelungene Operation am offenen Herzen in Skandinavien haben Ärzte der Universitätsklinik Karolinska im Dezember 2001 als medizinischen Durchbruch gewürdigt. Ein Chirurgenteam um Professor Nika Rinsjö hatte drei Stunden lang erfolgreich am Herzen mit Computerunterstützung operiert.

Am Operationstisch stand Kollege Roboter. Bei der Operation hatte der Chirurg über eine Mikrokamera das Innere des Herzens auf einem Bildschirm verfolgt. Für den eigentlichen chirurgischen Eingriff gab er über eine Konsole Befehle an den Computer. Dank des dreidimensionalen Bildes der Kamera hat der Spezialist den Eindruck, direkt im Zentrum des Herzens zu sitzen. Als besondere Vorzüge der Methode führen Mediziner nicht nur die größere Präzision der Roboter an. Diese könnten auch in Zonen des Körpers vordringen, die mit herkömmlicher OP-Technik nicht zu erreichen sind. Alle Computer sind doppelt abgesichert. Bei einer Panne ist auch ein herkömmlicher manueller Eingriff möglich.

Bei der Tele-Operation waren dem 50-jährigen Infarktpatienten durch kleine Brustöffnungen Miniroboter in den Körper eingeführt worden. Je kleiner das Operationsfeld, desto schneller verläuft die Heilung. Der Mann habe den Eingriff gut überstanden. Er könne die Thoraxklinik in Solna bei Stockholm in einigen Tagen verlassen, versichert Rinsjö. Die von den schwedischen Ärzten angewandte Technik befindet sich in direkter Konkurrenz zu Verfahren, die bereits in Deutschland und den USA angewandt werden. Auch das Rikshospital im norwegischen Oslo experimentiert mit an Menschen noch nicht erprobter Robottechnik. Nach Ansicht von Rinsjö sind schon in einigen Jahren Operationen über große Entfernung möglich. Die Technik könnte dann in ländlichen Gebieten zum Einsatz kommen, wo Patienten nicht selten vor komplizierten Eingriffen über hunderte Kilometer zu einem Spezialisten gebracht werden müssen.

Und selbst auf dem Schlachtfeld oder bei langjährigen Raumflügen könnte das Verfahren von Nutzen sein. Doch auch wenn die Premiere in Schweden ein voller Erfolg ist. Der Roboter kann nicht allein tätig werden, sondern nur den Befehlen des Spezialisten gehorchen. Und bis das Verfahren zum medizinischen Standard gehört, dürfte noch viel Zeit vergehen.

Alexander Budde

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