Frühlingsgrüsse aus Amsterdam

Tulpomania in Schweden

Schweden ist das Land, in dem pro Kopf die meisten Tulpen verkauft werden. Im Januar, Februar und März bricht eine wahre Tulpenbegeisterung aus. Zu Ostern findet sie meist ihren Höhepunkt.

Im Februar, wo der Tag in Schweden noch spät anfängt um dann wieder früh aufzuhören, ist das ein kalter Wind, der in Stockholm über den Hötorget weht. Aus Planen und Stangen haben Händler sich hier ihre Stände gebaut, in denen sie Früchte und Blumen anbieten. Pia Isberg hat gerade Tulpen gekauft und mit einem 500 Kronen-Schein bezahlt. Der Händler hat nicht genug Wechselgeld, er geht sich welches vom Nachbarn leihen. Pia wartet mit den Blumen im Arm und erzählt, dass sie für sich und ihre Familie jede Woche Tulpen kauft.

Drei Mal wöchentlich frische Tulpen
Pia Isberg kauft einmal die Woche Tulpen: „Weil ich sie mag. Sie sind frisch und gesund und knackig, das ist ungefähr wie frisches Gemüse, dass man auf den Tisch stellt. Es ist Frühling, wenn man sie kauft.“

Pia bekommt ihr Wechselgeld und verabschiedet sich. Der Händler, der ihr die Tulpen verkauft hat, kommt wie die meisten anderen hier auf dem Platze ursprünglich aus der Türkei oder aus dem Iran. Genau wie die Vorläufer der Tulpen, die er hier verkauft: „Ursprünglich kommen sie aus dem Osmanischen Reich. Es gibt die Geschichte eines Persischen Prinzen, der in ein Mädchen aus dem Volk verliebt war. Aber er durfte sie nicht heiraten. Da hat er Selbstmord begangen. Sein Blut sickerte in die Erde und an dieser Stelle wuchsen dann die Tulpen. Es war eine sehr teure Blume, und sie hat die Form einer Krone, sie ist spitz und stolz und breit. Die ersten sahen wirklich aus wie eine Krone und damals wuchsen sie im Osmanischen Reich, der heutigen Türkei“, erzählt Basil Estefan, der seine Blumen im warmen verkaufen kann, nämlich in einem Blumenladen auf der Hamngatan.

Schweden und Tulpen - eine lange Liebesgeschichte
Das Osmanische Reich ist Geschichte und lang vorbei ist auch die Exklusivität, mit der die Tulpen nur dort wuchsen, - Seit 1594 die ersten Exemplare nach Holland eingeführt wurden, mauserten sich die Niederländer zum Tulpenexporteur Nr. 1 in Europa. „Tulpen aus Amsterdam“, diesen Schlager kennen die Deutschen auch und sie kennen ebenfalls in ihren Städten den Anblick der großen niederländischen LKW, die da mit Warnblinker auf dem Bürgersteig stehen, und aus denen die Blumen als Massenware in die kleinen Blumenläden getragen werden. Doch weder in Deutschland noch in irgendeinem anderen Land, auch nicht in Holland selbst, ist der Tulpenverbrauch pro Kopf so groß wie in Schweden. Die Saison währt von Januar bis Ostern, insgesamt kaufen die Schweden in diesen Monaten rund 130 Millionen Tulpen.

„Wenn die Tulpensaison beginnt, dann werden die Schweden verrückt. Das ist dann ihre liebste Blume. Es ist die Blume, die sich am besten verkaufen lässt“, so Maisson Barakkat, die in einem Stockholmer U-Bahnschacht Tulpen verkauft. Alle Jahre wieder. Im tulpenbegeisterten Holland des 17. Jahrhunderts kam es vor, dass man für eine Tulpenzwiebel das 60 bis 70-fache eines durchschnittlichen Jahresverdienstes bezahlte. Ganz so kostspielig ist das Blumenvergnügen heute zwar nicht mehr, doch wer sich regelmäßig seine Ration Tulpe besorgt, für den kann es sich ebenfalls läppern. „Das variiert, da gibt es ein Bund Tulpen, das kostet 95 Kronen, das sind 10 im Bund, dann gibt es einzelne Tulpen, deren Qualität ist besser, die kommen direkt mit Zwiebel und hier im Laden schneiden wir sie zurecht. Die haben eine bessere Qualität und längere Haltbarkeit, die kosten 15 bis 20 Kronen, die halten sich 1,5 bis 2 Wochen. Tulpen im Bund halten vielleicht eine Woche. Höchstens. Es ist übrigens wichtig, dass nicht zuviel Wasser in der Vase ist und dass man die Tulpen in kaltes Wasser stellt, sie halten sich länger in kaltem Wasser“, so Blumenhändler Basil Estefan.

„Der Frühling kommt“
Neben Tipps zur richtigen Behandlung der Tulpen hat er auch eine Erklärung dafür, warum sie in den kalten ersten Monaten des Jahres so heiß begehrt sind bei den Schweden: „Das erinnert sehr an den Frühling und nach der langen Winterzeit in Schweden will man am liebsten Blumen haben, die die Umgebung auffrischen. Die das Gefühl vermitteln, dass es eine hellere Zeit ist und dass der Frühling kommt. In Schweden haben sie so große Bedeutung, weil es hier so eine lange Zeit der Dunkelheit gibt. Es muntert auf im dunklen Schweden.“

Gerade hat sich bei Basil Ingrid Hellberg drei Tulpen in kräftigem rosa gekauft, die sie nun aufmuntern sollen: „Nur weil es so hübsch ist. Das ist ja sozusagen die Ankunft des Frühlings.“

Der Frühling, - die meisten Schweden, so wie Ingrid, sehnen ihn herbei und werden die Zeit bis zu seiner wirklichen Ankunft noch mit vielen Tulpen überbrücken. Wenn es allerdings nach den Blumenhändlern ginge, deren Geschäfte jetzt gut laufen, so könnte der Frühling sich ruhig noch eine Menge Zeit lassen.

Jan Graf

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