One-Man-Show bei den Grünen

Schwedens Grüne haben einen neuen Vorsitzenden: Claes Roxbergh heißt der Mann, der die Partei im Wahljahr als Lokomotive anführen soll. Am 24. Februar wurde der 56-Jährige als neuer Sprecher der Grünen vorgeschlagen.

Nach langem Mühen ist nun die Parteispitze besetzt und gleichzeitig eine neue Führungsstruktur festgelegt: Claes Roxbergh tritt nämlich als Solist an. Zuvor, also bis zum Rücktritt der beiden früheren Parteisprecher Ende Januar, war diese Funktion jeweils doppelt besetzt gewesen. Nun also ist Roxbergh allein das wichtigste Gesicht der Partei nach Außen, wenn auch unterstützt von zwei Stellvertretern.

Für einen Großteil der schwedischen Wähler ist der neue Grünen-Sprecher trotz seiner langen politische Karriere ein recht unbeschriebenes Blatt. Besser kennt man ihn in Göteborg, wo er zurzeit als Stadtrat für Umwelt- und Verbraucherfragen zuständig ist. Göran Johansson, sozialdemokratischer Bürgermeister, findet für den Kollegen aus der grünen Fraktion lobende Worte: "Ich denke, er ist ein guter Mann. Roxbergh ist ein kompetenter und seriöser Politiker. Er hat die grüne Partei von Beginn an mit aufgebaut und ist sehr engagiert."

Lebendig, engagiert, dabei sachlich und pragmatisch, einer, der Dinge anschiebt, ein "Macher". So wird Roxbergh von Politikerkollegen verschiedener Parteien beschrieben. Die Grünen erhoffen sich frischen Wahlkampfwind von dem Mann, der von 1988-91für die damals blutjunge, attraktive Partei im Reichstag saß. Inzwischen dümpelt die Umweltpartei gefährlich nahe an der 4-Prozent-Sperrgrenze herum. Als wichtigste Priorität nennt der pragmatische Claes Roxbergh denn auch den Kampf um Wählersympathien: "Ich würde gern Umweltfragen in den absoluten Mittelpunkt rücken. Aber das Entscheidende jetzt ist, dass genügend Wähler erkennen, dass Umweltfragen wichtig sind und dass die Grünen in der schwedischen Politik gebraucht werden."

Dass sich letztere Erkenntnis im Wahlvolk bislang erst schwach durchgesetzt hat, mag auch an der komplizierten Position der Grünen liegen: Einerseits Oppositionspartei, arbeiten sie andererseits in verschiedenen Bereichen mit den regierenden Sozialdemokraten zusammen. Das macht konkrete Verantwortung für den Wähler oft schwer erkennbar, und daran will der neue Sprecher etwas ändern: "Entweder muss es eine engere Zusammenarbeit geben, da denke ich auch an eine Regierungsbeteiligung - oder aber man bleibt in der Opposition. Als Oppositionspartei Verantwortung zu übernehmen ist in Ordnung, nicht eben in dem bisherigen Umfang, das heißt mit Verantwortung fürs gesamte Budget", so Claes Roxbergh.

Anne Rentzsch

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