"Bengan" ist das Erfolgsgeheimnis im Handball

Bei den Europameisterschaften im eigenen Land hat Schweden erneut bewiesen, dass es die Handballnation Nummer Eins ist. Die Spieler verdienen nahezu alle als Profis ihr Geld im Ausland. Hauptsächlich in Deutschland und Spanien. Der Garant des Erfolges sind jedoch nicht nur die Spieler sondern vor allem ihr Trainer. Seit Bengt Johansson die Geschicke des schwedischen Handballs leitet, schwimmt dieser auf einer Erfolgswelle.

Der Jubel nach dem dramatischen EM-Finale gegen Deutschland war riesig im Stockholmer Globen. Obwohl die Schweden ja mit schöner Regelmäßigkeit jubeln dürfen, wenn es um Handball geht. Denn das Fazit der schwedischen Handballer ist nahezu unerreicht und kann eigentlich nur noch mit den Erfolgen der sowjetischen Eishockeymannschaft in den sechziger und siebziger Jahren verglichen werden.

Dennoch ist Siegen nicht zur Gewohnheit geworden, wie Trainer Bengt Johansson unmittelbar nach dem EM-Finale erleichtert feststellte: "Das ist einfach phantastisch den Titel zu Hause zu holen. Aber das war ein hartes Stück Arbeit. Ich bin froh, dass wir hier nicht als zweiter Sieger vom Platz gehen. Aber der Unterschied war heute wirklich sehr gering. Manchmal ist einfach auch nur der Zufall entscheidend."

Als verschworene Gemeinschaft zum Erfolg
Aber gerade dem Zufall überläßt Bengt Johansson nur wenig. "Bengan" wie er in Schweden genannt wird, denkt einfach an alles. Seine Mannschaft - die "Bengan Boys" - ist mehr als nur die Summe äußerst geschickter Handballspieler. Vielmehr ist sie eine verschworene Gemeinschaft, die von Bengt Johansson gepflegt wird. Sein Führungsstil wird als "Management by entertainment" bezeichnet, denn bei jedem größeren Turnier unternimmt die Mannschaft auch privat sehr viel, geht ins Ballett, feiert einen Kindergeburtstag oder einen Polterabend, spielt zusammen Bowling.

Das gemütliche Beisammensein hat positive Auswirkungen auf das Geschehen auf dem Spielfeld. Johansson vermittelt den Spielern, dass sie aufeinander angewiesen sind. Er diskutiert viel mit ihnen über Taktik und Tricks. Dabei sind nicht nur die Leitfiguren wie Magnus Wislander oder Staffan Olsson gefragt, sondern eben alle. Und wenn die Mannschaft dann ihre "Gurkburk" auf das Spielfeld zaubert - dann sind alle Spieler mit einbezogen und der Gegner hat gegen diesen sehr variablen Spielzug meist das Nachsehen. Als antiautoritär kann man Johanssons Führungsstil jedoch nicht bezeichnen. Der bald 60jährige schreibt die Regeln des Zusammenlebens seiner Spieler genau vor und bei der Ernennung des Mannschaftskapitäns macht er gerne Nägel mit Köpfen.

Angebote von Vereinen aus den Profiligen Europas hat Johansson zu Hauf. Doch er kann es sich leisten, sie alle abzulehnen. Geld hat er nämlich selbst genug. Johansson besitzt in seiner Heimatstadt im südwestschwedischen Halmstad mehrere Häuser. Und das Vergnügen, dass ihm seine schwedischen Schützlinge auf dem Spielfeld bereiten, kann wohl kaum von einer anderen Mannschaft überboten werden.

Dieter Weiand

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