Argentinien liefert Astiz nicht aus

Der Argentinier Alfredo Astiz wird nicht an Schweden ausgeliefert. Das teilte die Regierung in Buenos Aires am 29.1.2002 mit. Der ehemalige Marineoffizier steht unter Verdacht, 1977 eine junge Schwedin entführt und ermordet zu haben. Auch in Deutschland wird Astiz ein Mord vorgeworfen, und Frankreich hat ihn in seiner Abwesenheit zu lebenslänglich verurteilt.

Alfredo Astiz, ehemals hochrangiger Offizier der argentinischen Junta in den 70er Jahren, saß seit Dezember in Haft in seinem Heimatland. Jetzt ist er ein freier Mann. Schwedens Botschafterin in Buenos Aires, Madeleine Ströje-Wilkens, gibt die Erklärung wieder, mit der die argentinische Regierung dem Ex-Militär zur Hilfe eilt: "Man verweist auf das Dekret 1581 des Ex-Präsidenten della Rua im Dezember, wonach argentinische Bürger nicht an die Gerichte anderer Länder ausgeliefert werden dürfen. Weiter führt man den Freispruch eines Militärgerichts 1984 an und schließlich ein weiteres Urteil von einem Zivilgericht 1986. Demnach ist ein das Verbrechen nach 25 Jahren verjährt".

Die Begründung spiegelt den zögerlichen und widersprüchlichen Umgang Argentiniens mit seiner Vergangenheit wider. Das Hals-über-Kopf-Dekret, das Ex-Präsident della Rua stiftete, um eventuellen Verbrecher aus der Juntazeit, zu schützen. Die beiden Gerichtsentscheidungen: Wenn Astiz nach dem ersten Urteil unschuldig ist, ist der Hinweis auf die Verjährung im zweiten Urteil nicht schlüssig.

Verantwortlich für die Entführung einer Schwedin
Alfredo Astiz ist - das belegen Zeugenaussagen - für die Entführung der Schwedin Dagmar Hagelin 1977 verantwortlich. Danach verlieren sich ihre Spuren, wie die von 15.000 anderer Menschen, die in den Folterkammern der Junta verschwanden. Seitdem kämpft Ragnar Hagelin darum, Klarheit in das Schicksal seiner Tochter zu bringen. Im Frühjahr 2001 erstattete er schließlich eine Anzeige bei der Polizei, auf die der Auslieferungsbeschluss folgte.

Argentinien schütz indes den Mordverdächtigen. Der braucht nun, vermutlich auf lange Zeit keine Festnahme zu befürchten, wenn er überhaupt je für seine Verbrechen zur Verantwortung gezogen wird. Die Gerichte in Schweden haben vorerst ihre Möglichkeiten ausgeschöpft. Oberstaatsanwalt Tomas Lindstrand wollte vorerst auch keinen Kommentar zu dem niederschmetternden Beschluss der Argentinier abgeben. Ebenso die Stockholmer Regierung nicht. Sie ist allerdings die einzige Instanz, die im Fall Astiz noch agieren könnte.

Für Schwedens Botschafterin in Argentinien, Madeleine Ströje-Wilkens, steht indes fest, was zu tun ist: "Von unserer Seite werden wir alle denkbaren Wege prüfen, um in der Frage weiterzukommen, damit wir irgendwann doch noch die Wahrheit erfahren".

Gundula Adolfsson

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