Begegnungen mit Bären

Schätzungsweise 1.000 Braunbären gibt es in Schweden und der Bestand wächst. Seit man ihnen immer öfter in den Wäldern begegnet, werden Forderungen nach einer Erhöhung der Abschussquoten laut.

Wenn Lotta und Torgny Tidstrand in diesen Tagen ihre Schafherde von einer Weide zur nächsten treiben, begleitet sie dabei immer ein mulmiges Gefühl. Der Grund: Die Angst vor Bären.

Im Frühjahr 2002 haben die beiden Schafzüchter aus der nordschwedischen Provinz Dalarna schon 16 Stück Vieh verloren. Wenn die Bären weiter Jagd auf ihre 230 noch verbliebenen Schafe machen, werden die finanziellen Verlust einfach zu hoch, klagen die beiden. Lotta und Torgny Tidstrand sind nicht die einzigen, die solche Vorfälle mit Bären melden.

Bären trifft man sogar auf der eigenen Terrasse
Bei den meisten Begegnungen zwischen Mensch und Braunbär macht das Wildtier zwar kehrt und schlägt sich schleunigst in die Büsche, aber manchmal werden solche Zusammentreffen auch für Menschen gefährlich, zum Beispiel wenn eine Bärin ihre Jungen in der Nähe hat.

Aus ganz Nordschweden häufen sich seit einiger Zeit Berichte von Menschen, die unfreiwillig Bekanntschaft mit Bären gemacht haben: Beim Wandern, beim Beerensammeln oder sogar auf der eigenen Terrasse. Viele fühlen sich bedroht: „Es gibt immer mehr Vorfälle mit Bären und das hat man natürlich im Kopf, wenn man in den Wald geht. Und wenn es dämmert und die Hunde bellen, dann muss man raus und nachsehen, da denkt man gleich, dass es ein Bär sein könnte."

Als Konsequenz solcher Berichte plädieren inzwischen Jägervereinigung und Bezirksverwaltungen der betroffenen Regionen Nordschwedens dafür, die Abschusszahlen für Bären zu verdoppeln: In Jämtland sollten danach in diesem Jahr statt 14 Bären 30 erlegt werden. In Norrbotten möchte man die Abschussquote von 12 auf 25 Tiere erhöhen.

Behörde sieht keinen Handlungsbedarf
Es scheint jedoch, als hätten diese Forderungen wenig Chance auf Erfolg, denn das Amt für Umwelt- und Naturschutz sieht noch keinen Handlungsbedarf: Die derzeitige Population von über 1.000 Braunbären in Schweden gilt bei der Behörde als wünschenswerter Richtwert. Und noch ist dieser Richtwert nach oben offen, von Seiten des Staates möchte man einem weiteren Anwachsen noch nicht mit vermehrtem Abschuss begegnen.

In der Bevölkerung der betroffenen Gebiete sind die Meinungen geteilt. Manche Bewohner ländlicher Gebiete fürchten sich ganz und gar nicht: „Ich finde das sind feige Menschen, die mit Hund und Gewehr in den Wald gehen, weil sie Angst vor Bären haben", rügt eine Frau. „Ich habe keine Angst vor Bären, da gibt es ganz andere Dinge, vor denen ich mich fürchte!"
Sie steht mit ihrer Ansicht bei weitem nicht allein da: „ Gibt es wirklich einen Grund die Bären auszurotten? Ich bin der Meinung, diese Menschen wollen nicht, dass es hier überhaupt Bären gibt", empört sich ein anderer.

Lotta und Torgny Tidstrand dagegen, bestehen darauf, einzelne Bären, nach festgelegten Kriterien zum Abschuss freizugeben. „Natürlich soll es Bären geben, aber zur Zeit sind es wohl etwas zu viele. Sie sind nicht länger scheu. Es wäre nicht schlecht, wenn man die abschießen dürfte, die den Menschen zu nahe kommen."

Vor allem Sami für höhere Abschussquoten von Bären
Auch bei den Sami treffen solche Forderungen auf offene Ohren. Sie betreiben in Nordschweden vor allem Rentierzucht und fordern schon lange, die Zahl der Bären zu beschränken. Zu groß, seien die wirtschaftlichen Schäden, die jedes Jahr entstehen, weil die Bären Rentiere reissen.

Doch bei aller Diskussion über die bösen Bären gibt es auch besonnene Stimmen. Damit das Zusammenleben von Bär und Mensch klappt, müssen gerade letztere ihre Lebensweisen selbstkritisch überprüfen, meint ein junger Einheimischer. Das gelte ganz besonders in Gebieten, die dichter besiedelt sind. „Mit Bären die weiter südlich leben, in Dalarna und Värmland, entstehen eher Probleme. Zum Beispiel wenn sich die Bären Siedlungen nähern. Aber ich erlebe das so: Nicht die Bären sind das Problem, sondern die Menschen und ihr Verhalten."

Martina Kögl

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