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Reportage in Norrbotten

Pajala in der Warteschleife

"Grad als es endlich wieder bergauf ging..."
9:55 min
Planungschefin Åsa Allan ist eine der wenigen die zurzeit noch für Northland in Pajala in Nordschweden arbeiten (Foto: Ellinor Eriksson/Sveriges Radio)
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Planungschefin Åsa Allan ist eine der wenigen die zurzeit noch für Northland in Pajala arbeiten (Foto: Ellinor Eriksson/Sveriges Radio)
Der Sozialdemokrat Kurt Wennberg war in der vorigen Legislaturperiode Bürgermeister von Pajala und für die Veränderungen in der Gemeinde zuständig (Foto: Hjalmar Lindberg/Sveriges Radio)
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Der Sozialdemokrat Kurt Wennberg war in der vorigen Legislaturperiode Bürgermeister von Pajala und für die Veränderungen in der Gemeinde zuständig (Foto: Hjalmar Lindberg/Sveriges Radio)
Manifestation im nordschwedischen Pajala zum Überleben des stillgelegten Tagebaus Kaunisvaara (Foto: Ellinor Eriksson/Sveriges Radio)
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Demo im nordschwedischen Dunkel. Nach der Stillegung des Tagebaus fordern die Bewohner von Pajala ihre Wiedereröffnung (Foto: Ellinor Eriksson/Sveriges Radio)

Vor rund einem Monat schloss das Unternehmen Northland Resources sein Eisenerzbergwerk Kaunisvaara im nordschwedischen Pajala. Für die Gemeinde war das ein schwerer Schlag, denn das Unternehmen, das sich erst vor drei Jahren dort etabliert hatte, galt als der berüchtigte Strohhalm, der die Arbeitslosigkeit senken und die Abwanderung in dem strukturschwachen Gebiet bremsen sollte.

Åsa Allan ist Planungschefin bei Northland Resoruces und eine von denen, die die Schließung durchführen.

„Es dauerte ungefähr zwei Wochen, alle Maschinen in einen Zustand zu versetzen, in dem sie längere Zeit abgestellt werden können. Diejenigen, die damit gearbeitet haben, fanden es natürlich nicht besonders lustig, die Unternehmenstätigkeit abzuwickeln.“

Stillgelegt

Die Luft ist klar und vom Rand des Tagebaus in Kaunisvaara bei Pajala kann man über die Grenze bis nach Finnland sehen. Noch vor vier Jahren lag hier ein Moor mit niedrigem Pflanzenbewuchs. Jetzt ist es hier wieder genauso still wie damals. Die industrielle Betriebsamkeit ist wie weggeblasen.

„Man hört sogar die Autos weit weg auf der Landstraße dahinten wieder. Das konnte man sonst nicht. Es war natürlich viel lauter als jetzt. Lastwagen,Hubstapler, Bohrer und Maschinen zum Beladen. Ein oder zwei Mal pro Woche haben wir auch gesprengt, um Erz oder Felsen zu lösen.“

So klang es hier noch bis vor einem Monat, als ungefähr 500 Leute im Tagebau beschäftigt waren. Heute arbeitet Åsa Allan fast allein. Sie ist mit der Instandhaltung der Anlagen beschäftigt, damit sie einsatzbereit sind, falls die Produktion wieder aufgenommen werden sollte.

Das Moor

„Die Maschinen hier werden mit Strom betrieben, wir müssen sie also in regelmäßigen Abständen starten, solange sie in Warteposition sind.“

So wie die Maschinen warten auch die 6.400 Einwohner der Gemeinde Pajala, sagt Kerstin Svala im Fremdenverkehrsbüro: „Man merkt, dass es ruhiger geworden ist. Die Leute warten ab. Alles ist irgendwie erstarrt. Alle warten und warten.“

Die Menschen warten darauf, zu erfahren, was mit der Produktion geschehen soll. Der scheidende Bürgermeister Kurt Wennberg hatte unter anderem die 160 neuen kommunalen Wohnungen bewilligt, die im Rahmen der Etablierung des Tagebaus hochgezogen wurden.

„Pajala hatte viele Jahre Landflucht hinter sich. Zur Jahrtausendwende lebte hier statistisch gesehen die älteste Bevölkerung ganz Schwedens. Der Tagebau war also eine große Erleichterung für die Gemeinde. Plötzlich wurde aus der Abwicklung von Pajala die Weiterentwicklung. Früher sind die Einwohner von hier weggezogen. Durch die Industrie hatten wir wieder Zuzug!“

Wennberg erzählt vom Besuch des heutigen Ministerpräsidenten Stefan Löfven in Pajala. Damals kam Löfven noch in seiner Eigenschaft als Gewerkschaftsvorsitzender. Er nahm im Tagebau einen Klumpen Gestein in die Hand, das sogenannte „schwarze Gold“ , und sagte: „Das hier riecht nach Geld!“

„Noch in derselben Woche teilte Northland mit, dass sie kein Geld mehr hatten. Die erste Rekonstruktion wurde eingeleitet.“

In Schweden kann ein Unternehmen mit zeitweiligen Zahlungsschwierigkeiten eine Rekonstruktion anstelle eines Konkurses beantragen, wenn die Hoffnung besteht, dass die Firma eine Überlebenschance hat. Das Gericht bestellt dann eine Person, die kontrolliert, wie das Unternehmen wieder flott gemacht wird.

Das war im Januar 2013. Mehrere große Unternehmen schossen damals Geld zu und der größte Teil von Northlands Schulden konnte im Laufe des Jahres getilgt werden. Aber schon Anfang 2014 sank der Preis von Eisenerz erneut, und im Sommer musste Northland Resources zum zweiten Mal rekonstruiert werden.

Die natürlichen Gegebenheiten

Vor Hans Notstens Einfamilienhaus im Zentrum von Pajala liegt ein Elchhund mit dickem Pelz.

Die Jagdsaison ist für dieses Jahr beendet und Notsten, der nebenbei auch in der Band „Raj Raj“ spielt, hat seine Arbeit als freiberuflicher IT-Berater wieder aufgenommen. Früher hat er auch mal in Stockholm gewohnt, ist aber nach Pajala zurückgekehrt.

Leben in Pajala

„Genau bevor der Bergbau-Boom begann hab ich das Haus gekauft, für 400.000 Kronen. Ich bin ja Jäger und hab den Jagdhund, und die Musik als Hobby. Da ist es gut, wenn ich in der Nähe der anderen Bandmitglieder wohne.“

Rolf Digervall spielt auch in der Band. Bis vor Kurzem hat er im Tagebau gearbeitet.

„An dem Tag, an dem der Bescheid über die Einstellung der Produktion kam, hab ich gearbeitet. Und da hör ich das im Radio: ‚Der Eigentümer der Pajala-Grube, Northland Resources, stellt die Produktion auf unbestimmte Zeit ein und entlässt die meisten Mitarbeiter.‘ Da dachte ich: Okay, das war’s, jetzt muss ich mir was anderes suchen. Ich hab das nicht als Schock empfunden, eher so als würde es einem ohnehin kranken Bekannten noch schlechter gehen. Man weiß, dass es zu Ende geht, und dann bekommt man keinen Schock.“

Proteste

 

Draußen herrschen herbstliche Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt. Im Zentum setzen sich mehr als 1.000 Demonstranten für das Überleben der Grube ein. Sie ziehen mit Fackeln von der Sporthalle zum Marktplatz.

„Wir wollen, dass die Grube bleibt“, fordern ein paar Frauen im Sprechgesang und stellen verlegen fest: „Aber außer uns singt ja keiner!“

„Gerade wenn es endlich wieder bergauf geht, muss sowas passieren!“, bedauert einer der Teilnehmer. „Natürlich protestieren die Leute!“

„Der Staat hat ja viel Geld in den Aufbau hier investiert, in Straßen und Energieversorgung. Es ist wichtig, dass die Investition nicht vergeblich war!“

„Es ist schwer, aber wir geben nicht auf. Wir nehmen die Energie und die Wärme, die wir heute Abend hier erlebt haben, mit uns“, feuert der in Pajala gebürtige Schriftsteller Mikael Niemi seine Mitbürger in einer Rede an.

Wieder in seiner warmen Küche angekommen, greift Hans Notsten zum Akkordeon. Rolf Digervall hofft, dass die Produktion im Tagebau wieder anläuft, sucht aber gleichzeitig nach Alternativen für die Zukunft:

Natur als Alternative

„Alles hat ja seinen Preis. Der Erzabbau hinterlässt tiefe Wunden in der Landschaft, die so schnell nicht verheilen. Vielleicht sollten wir die Landschaft so lassen wie sie ist, und lieber das vermarkten, was uns zum Bleiben veranlasst: Die Natur, die Ruhe“, denkt Digervall laut.

„Man muss auch mal wagen, in eine andere Richtung zu denken und darf nicht glauben, dass das Bergwerk unser Allheilmittel ist. Es gibt bestimmt eine ganze Menge andere Dinge, die man anfangen kann, um hier seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Aber so ist das wohl in strukturschwachen Gebieten, wenn es einen großen Arbeitgeber gibt, verlassen sich alle auf den.“

Abwarten und die Krise aussitzen lautet sein Rezept.Er greift zum Akordeon und beginnt zu spielen. „Ich warte neben meinem Kohlenmeiler“ heißt das alte Lied, das er anstimmt.

Mit den traditionellen Kohlenmeilern und geduldigem Warten haben sich schon Generationen von Menschen in Norrland über Wasser gehalten…

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