Gesetzesvorschlag zu Homoadoptionen

Der Mittwoch brachte für Homosexuelle in Schweden einen wichtigen Sieg. Mit großer Mehrheit entschied der Reichstag, gleichgeschlechtlichen Paaren die Adoption von Kindern zu ermöglichen. Bereits im Vorfeld hatte sich eine Parlamentsmehrheit dafür ausgesprochen, den Gesetzesvorschlag der regierenden Sozialdemokraten anzunehmen. Dennoch sorgte das Thema für erhitzte Gemüter.

Seit Jahren hatten sich Interessenorganisationen der Homosexuellen in Schweden für das offizielle Recht auf Familie stark gemacht. Der Gesetzesvorschlag geht nun noch weiter, als mancher Aktivist anfangs zu hoffen wagte: Gestattet werden soll nämlich nicht nur die sogenannte Angehörigenadoption, bei der ein Partner das leibliche Kind des anderen adoptiert. Homosexuelle sollen auch die Möglichkeit zur Adoption von ausländischen Kindern erhalten.

Eine Parlamentsmehrheit unterstützt dies, lediglich die Konservativen und die Christdemokraten sind dagegen. Doch innerhalb der Parteien brodelt es. Eine Reihe von Parlamentariern stimmte gegen die Linie der eigenen Partei. Zu ihnen gehört der Sozialdemokrat Ola Rask: "Kinder, die aus anderen Ländern kommen, befinden sich ohnehin schon in einer schwierigen Situation und haben vielfach traumatische Erlebnisse hinter sich. Ich denke, wenn der Vorschlag durchkommt, dann bedeutet dies für die betroffenen Kinder eine weitere Belastung. Und eben gerade solche weiteren Belastungen sollten wir möglichst ausschalten", meint Ola Rask.

"Es geht nicht darum, das Recht auf Kinder einzuklagen"
Die konservative Politikerin Anna Kinberg hingegen sagt Ja zum Adoptionsrecht für Homosexuelle und schwimmt somit in ihrer Partei ebenfalls gegen den Strom: "Ich kann kein gutes Argument dafür finden, Homosexuellen das Recht auf eine Prüfung als Adoptiveltern zu verwehren, meint sie. Betonen muss man auch, dass es hier eben um die Prüfung der Eignung geht. Es handelt sich nicht darum, dass jemand das Recht auf Kinder einklagt: entscheidend ist das Recht des Kindes auf gute Eltern."

Nichts und niemand könne einem Menschen die Eignung als Vater oder Mutter absprechen, nur weil er oder sie einen Partner gleichen Geschlechts liebt. So das Argument der Befürworter, zu denen also die Mehrheit der Abgeordneten gehört. In den vergangenen Jahren ist das Adoptionsrecht für Homosexuelle eifrig diskutiert worden; die Politik ließ sich dabei nicht von der Tatsache beeindrucken, dass die Mehrzahl der Organisationen, die mit Kindern und Adoptionen arbeiten, den Vorschlag ablehnt.

Anne Rentzsch

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