Keine Finanzkrise im schwedischen Fußball

Seit der Kirch-Pleite in Deutschland entgehen teilweise hoch verschuldeten Liga-Vereinen Millionenbeträge aus den TV-Übertragungsrechten. Der Verkauf der Rechte an das insolvente Medienunternehmen rächt sich. Experten erwarten einen Umbruch im europäischen Fußball, sinkende Spielergehälter, Klubpleiten und Sparzwang beim Spieler-Transfer. Schwedische Fußballer dagegen blicken einstweilen noch recht gelassen in die Zukunft.

Ähnliche Sparmaßnahmen wie jetzt bei den europäischen Klubs sind in Schweden schon vor einigen Jahren durchgeführt worden. Fußball-Schweden gibt sich also geläutert. 1999 beschloss der schwedische Fußballverband, dass Vereine in den ersten beiden Ligen schuldenfrei sein müssen. Wenn ein Klub in die roten Zahlen rutscht, wird er eine Division zurückgestuft. Die Folge waren durchweg Einsparungen und niedrigere Bezüge für die Spieler.

Schwappt Fußballkrise nach Schweden über?
Aber in ein paar Jahren wird die europäische Fußballkrise wahrscheinlich auch den schwedischen Vereinen das Leben schwer machen. Die Klubs haben ihre Kassen nämlich in den letzten Jahren zum Klingeln gebracht, indem sie eigene Spielertalente besonders gefördert und dann teuer ins Ausland verkauft haben. Die derzeitige Finanzlage ausländischer Vereine macht diese Taktik bis auf weiteres unmöglich. Dennoch, schwedische Spieler sind im Vergleich zu norwegischen oder dänischen verhältnismäßig preisgünstig zu haben.

Deshalb glaubt Bengt Sjöholm, der Vorsitzende von Halmstad BK auch, dass man sich mit dieser Finanzierung noch eine Weile über Wasser halten kann. In ein paar Jahren allerdings könne es brenzlig werden. Dann würden vermutlich auch führende schwedische Vereine sparen und ihre Spieler nicht mehr Fulltime unter Vertrag nehmen können. Die Spieler müssen dann wie in der Fußballsteinzeit zusätzlich noch einen weiteren Broterwerb haben und könnten sich nicht ausschließlich auf´s Kicken konzentrieren, befürchtet Sjöholm.

Ein weiterer Unterschied zu anderen europäischen Ländern: In Schweden ist die Abhängigkeit von den Übertragungsrechten bedeutend geringer. Während beispielsweise in Deutschland rund 60 Prozent des durchschnittlichen Vereinseinkommens aus TV-Lizenzen gespeist wird, sind es in Schweden gerade mal 17 Prozent.

"Markt wird sich wieder erholen"
Der Vorsitzende des schwedischen Fußballverbands, Lars-Åke Lagrell, gibt sich entgegen aller Unkenrufe optimistisch, auch was den internationalen Sport anbelangt. Er glaubt dass der Markt sich allmählich wieder erholen wird. Nach dem die Kirch-Gruppe vom Fußballfeld verschwunden ist, werden neue Akteure auf den Plan treten, hofft Lagrell zuversichtlich. Aber es komme natürlich auch auf das Verhalten des Publikums an, spielt er den Ball geschwind an die Fans ab. Spiele vor leeren Tribünen seien uninteressant. Sowohl vor Ort auch im Fernsehen.

Sybille Neveling

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