Grenzüberschreitender Schulbesuch

Wie heißt es doch so schön, die EU öffnet die Grenzen. Doch wenn Kinder im dünnbesiedelten Schwedisch-Lappland in Finnland zur Schule gehen sollen, hört der Spaß für manche offenbar auf. Die Politiker der schwedischen Grenzgemeinde Pajala möchten eine Schule schließen. Aber die Eltern weigern sich ihre Kinder über die Grenze nach Finnland zur Schule zu schicken.

In ein paar Jahren wird die Grundschule von Mådåslåmbolo nur noch 14 Schüler haben, verteilt auf die Klassen eins bis neun. Das ist einfach zu wenig, sagt der zuständige Kommunalpolitiker Åke Johdet. Er will die Schule schließen: "Ohne Kinder keine Schule. Wir haben die Zusammenarbeit mit Finnland schon vorsichtig eingeleitet. Es sieht so aus, als könnten wir die Kinder dort zur Schule schicken."

Es fehlt an Nachwuchs
Die Grenzgemeinde Pajala hat eine Fläche von rund 7.900 Quadratkilometern, knapp doppelt so viel wie Berlin, Hamburg und das Saarland zusammen. Die Zahl der Einwohner beträgt allerdings nur 7.600, daher die Schwierigkeiten, die abgelegene Schule in Betrieb zu halten. Bald wird es dort an Nachwuchs fehlen.

Die nächste schwedische Schule liegt 80 Kilometer weit entfernt. Ein allzu weiter Weg für die Kinder, findet die Gemeinde. Sie möchte das schulpolitische Dilemma lösen, indem sie die Kinder über die Grenze ins finnische Muonio schickt. Das sind nämlich nur 15 Kilometer.

Die Bevölkerung von Pajala ist samischer, finnischer und schwedischer Herkunft. Ein paar Brocken der jeweils anderen Sprachen sprechen eigentlich alle. Aber die Sprachkenntnisse reichen nicht bei allen Kindern aus, um dem Unterricht in Muonio auf Finnisch folgen zu können.

"Kulturelle Unterschiede sind da"
Bei den Eltern stößt die Idee der Gemeindeverwaltung auf deutlichen Widerstand, Bosse Kostet: "Ich möchte mein Kind nicht in eine finnische Schule gehen lassen. Die kulturellen Unterschiede machen mir Sorgen, und der andere Lehrplan in Finnland."

Nach dem schwedischen Schulgesetz kann die Gemeinde die Kinder nicht zwingen in Finnland zur Schule zu gehen, sie kann es nur empfehlen. Probleme, später auf weiterführende Schulen überzuwechseln, bestehen zwischen den nordischen Ländern offiziell schon lange nicht mehr. Åke Johdet, zuständig für Ausbildungsfragen in Pajala, ist die Besorgnis der Eltern schwer begreiflich: "Das ist ein Schulweg von nur 15 Kilometern, nach Munio. Und unsere beiden Länder stehen einander ja auch sehr nahe, wir haben so viel gemeinsam, ich versteh diesen Widerstand nicht."

Es gibt schon schwedische Kinder, die auf der anderen Seite der Grenze in die Schule gehen. Aber das ist auf freiwilliger Basis. Meistens sind die Eltern dieser Kinder finnische oder norwegische Staatsbürger.

Sybille Neveling

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