Emma Igelström - schwimmmt an die Spitze

Bei der Schwimm-Europameistermeisterschaft in Berlin zählen die Sportler aus Schweden zu den heißen Favoriten. Am Montag unterlag Blau-Gelb in der 4 x 100-Meter-Staffel zwar knapp den Damen aus Deutschland. Aber noch stehen ja verschiedene Gelegenheiten an, um Siegerqualitäten zu beweisen. Zum Beispiel für Emma Igelström, die 22-jährige Senkrechtstarterin aus Stockholm.

Fotografen im Schlepptau, aufdringliche Fans, das Privatleben Stoff für Titelseiten - das Leben als Promi ist nicht immer leicht. Zumal, wenn man die Spielregeln in Rekordzeit lernen muss, wie Emma Igelström. Noch vor ein paar Monaten lediglich ein Insider-Tip in Sportlerkreisen, steht sie nicht nur mit dem schwedischen Volk sozusagen auf du und du, sondern ist auch bei der Schwimm-EM in Berlin begehrte Beute für Kamerateams aus aller Welt. Emma Igelström nimmt´s gelassen. Das Leben im Licht der Öffentlichkeit, so meinte sie kürzlich, bringe eben nicht nur Stress, sondern vor allem Spaß. Und außerdem sieht sich Emma mit typisch schwedischem Understatement eben nicht als Star, sondern als "ein Mädchen wie alle anderen auch".

Mit Beharrlichkeit zum Ziel
Aber ein klein wenig schneller als alle anderen schwimmt sie eben doch. Ausgelöst hatte den Rummel um ihre Person der durchschlagende Erfolg bei der Kurzstrecken-WM im April in Moskau. Da trat Igelström ganz locker aus dem Schatten solch schillernder Mannschaftskameradinnen wie Therese Alshammar heraus. Ihre Bilanz: Dreimal Gold, einmal Silber, Weltrekord über 50 und 100 Meter Brust. Auf den 50-Meter-Rekord ist sie ganz besonders stolz - schließlich schaffte sie die Strecke als allererste Frau in einer Zeit unter 30 Sekunden.

Überdies ist Emma Igelström sozusagen die leibhaftige Bestätigung des Grundsatzes, wonach Beharrlichkeit schließlich zum Ziel führt. Denn leicht verlief der Weg zur Spitze keineswegs, obwohl er einst verheißungsvoll begann: 1994 holte die 14-jährige Emma EM-Gold. Doch diesem Sieg folgte eine lange Durststrecke mit Niederlagen, mit Erkrankungen und Verletzungen. Eisenhart trainierte sie dennoch, und nun erwarten die Fans in Spannung ihren nächsten Siegeszug, den von Berlin. Über 50 und 100 Meter Brust ist Igelström Gold-Anwärterin Nummer Eins, über 200 Meter rechnet sie sich zumindest Medaillenchancen aus.

Der Vater des Schwimm-Stars hat unterdessen kaum Zeit, außerhalb der Auftritte seines Goldstücks vor dem Fernseher herumzulümmeln. Schließlich hat Emma ihn ganztags angestellt, um Fanpost zu bearbeiten, Medienauftritte zu planen und mit Sponsoren zu verhandeln. Ein Star, soviel hat Emma immerhin gelernt, muss Arbeit auch delegieren können.

Anne Rentzsch

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