Keine Auskunft über Schweden in Guantanamo Bay

Der amerikanische Militärstützpunkt Guantanamo Bay auf Kuba dient seit einigen Monaten als Internierungslager für Gefangene, die auf Seiten des Taliban-Regimes gekämpft haben. Unter den Gefangenen sind auch ausländische Staatsbürger, darunter ein Schwede. Seit einem halben Jahr befindet er sich in Guantanamo hinter Schloss und Riegel - ohne bisher informiert worden zu sein, was ihm genau vorgeworfen wird. Ein Richter in den USA hat nun verfügt, dass 14 ausländische Gefangene kein Recht haben, ihren Fall von einem amerikanischen Gericht prüfen zu lassen. Ein Skandal, findet der Anwalt des Schweden, der jetzt das Außenministerium in Stockholm in den Fall einschalten will.

Anwalt Peter Althin hat einen Brief an das Außenministerium gerichtet. Darin fordert er Informationen über das Schicksal seines Mandanten. Die totale Funkstille seitens der USA, so Althin, dürfe Schweden sich nicht bieten lassen: "Das ist absolut unbefriedigend und inakzeptabel. Das Verhalten der USA ist unvereinbar mit dem schwedischen Rechtsverständnis. Wir bringen nicht einfach Leute hinter Schloß und Riegel, ohne ihnen zu sagen, welches Verbrechen wir ihnen vorwerfen."

Vorwürfe bislang unklar
Im Januar hatten die amerikanischen Behörden mitgeteilt, dass ein schwedischer Staatsbürger in Afghanistan gefangen genommen worden war. Der 22-Jährige aus dem mittelschwedischen Örebro wurde nach Guantanamo gebracht. Was genau man ihm vorwirft, darüber schweigen sich die USA bislang allerdings aus. Mit seinem Brief an das Außenministerium will Anwalt Althin nun einen neuerlichen Versuch unternehmen, dies zu ändern.

Dem Vater des Gefangenen gehe es infolge der Ungewissheit sehr schlecht, heißt es in dem Brief. Er habe seinem Sohn geschrieben, wisse aber nicht, ob dieser die Nachricht erhalten habe und in welcher physischen und psychischen Verfassung er sei. Allzu große Erwartungen setzt Peter Althin in die Möglichkeiten des Stockholmer Außenministeriums aber nicht. "Leider sind die schwedischen Behörden ja den amerikanischen ausgeliefert", so der Anwalt. "Dass sie bisher keine Auskunft über meinen Mandanten gegeben haben, kann eigentlich nur eines bedeuten: Sie können die amerikanischen Behörden in keiner Weise beeinflussen."

Doch anscheinend versucht die Stockholmer Regierung über verschiedene diplomatische Kanäle, dem jungen Schweden beizustehen. Bei drei Besuchen schwedischer Minister in den USA wurde der Fall bereits aufgegriffen, ein Angehöriger der schwedischen Botschaft in Washington hat bereits im Februar auf Guantanamo ein mehrstündiges Gespräch mit dem 22-Jährigen geführt, und auf der Botschafts-Liste wichtiger Themen steht sein Fall weiterhin ganz oben.

Dauer der Untersuchungen ungewiss
Aber nach wie vor weigern die USA sich standhaft Auskünfte über seine Zukunft zu erteilen. Die Gefangenen gelten als Träger wichtiger Informationen, erst recht, nachdem vor wenigen Tagen fünf von ihnen als frühere Leibwächter von Terrorchef Usama Bin Laden ausgemacht wurden. Aus Botschaftskreisen hieß es heute, es sei unmöglich zu sagen, wie lange die Vereinigten Staaten den Schweden noch festhalten würden.

Anne Rentzsch

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