Cafébesuche in Stockholm

Leben, wie ein Gott in Frankreich oder lieber Kaffee trinken, wie ein Schwede?

Der französische Bühnenautor Alexander Dumas hat einmal gesagt, zu einem guten Kaffee gehören drei gute Dinge: erstens Kaffee, zweitens Kaffee und drittens nochmals Kaffee. Und die Schweden sind in alle drei vernarrt - so ziemlich jeder genehmigt sich am Tag eine "Fika", eine Kaffeepause. In Stockholm sucht man dafür gerne eines der vielen Cafés auf.

Morgens um halb zehn auf dem Järntorget, einem mittelalterlichen Platz in der Altstadt, Gamla Stan. Lieferwagen überqueren den noch schattigen Platz. Doch der Wetterdienst verspricht einen warmen Sommertag. Das Café Nova hat bereits Tische und Stühle nach draußen gestellt. Eine Handvoll Gäste haben es sich auch schon daran gemütlich gemacht.

Das Café befindet sich in einem gelben Eckhaus. An der zum Platz gewandten Hauswand ist eine Holzveranda mit Platz für sechs kleine Tische angebaut.

Kaya aus Kopenhagen sitzt unter der Markise und frühstückt. Der Hunger hat sie hergeführt: "Reiner Zufall, dass ich hier hergekommen bin … die servieren Frühstück! Naja, ich bin gestern schon mal vorbei gekommen. Und hier ist es schön gemütlich. Und Gemütlichkeit können wir Dänen ja bekanntlich so gut leiden."

Neben verschiedenen Kaffeesorten gibt es im Café Nova auch eine große Auswahl an Kuchen. Hinter einer Glasvitrine stehen verschiedene bunte Torten. Im Sommer, sagt Anna, die Geschäftsführerin, kommen die Touristen und die Angestellten aus den benachbarten Büros extra wegen den leckeren Fruchttorten: "Wir haben unter anderem Apfelkuchen, Blaubeertorte und Rhabarberkuchen. Wir backen alles selber - nach eigenen Geheimrezepten. Also, ich habe noch nichts Vergleichbares anderswo gegessen."

Und dazu gibt es Kaffee, den besten der Stadt, behauptet Anna. Ein bisschen Eigenwerbung kann schließlich nicht schaden, denn die Konkurrenz ist beinhart.

Eines der idyllischsten Cafés in Stockholm ist sicherlich das Tvillingarnas am feudalen Strandvägen. Tvillingarnas - zu deutsch Zwillinge - schwimmt auf einem Ponton im Ostseewasser. In der Mitte des Schwimmelements, in einer schmalen Holzhütte untergebracht, befindet sich die Küche. Die Gäste sitzen im Freien und haben einen ungestörten Ausblick auf das Wasser. Bei schlechtem Wetter kommen große Regenplanen und Heizspiralen zum Einsatz.

Benannt ist das Seecafé nach dem Eigentümer Peter Josefsson und seinem Bruder - eineiigen Zwillingen. "Wir verzichten hier bewusst auf Kunststoff und benutzen viel Holz. Alles ist im Stil der schwedischen Westküste gehalten, wo wir aufgewachsen sind. Die Dekoration ist auch sehr maritim."

Es ist Mittagszeit, das Café ist gut besucht. Die Bedienung an der Kasse nimmt die Bestellungen auf und gibt sie an die Küche weiter. Im hinteren Teil des Cafés sitzen Greta Davidoff und Robert Kowalski und trinken gemeinsam Kaffe. Beide lieben sie das Lokal: "Die Aussicht, das Wasser, der Wind, der manchmal vom Meer kommt. Und der Spaziergang von Östermalm hierher ist auch sehr schön. Wir kommen sehr oft her, wenn das Wetter gut ist."

Weniger idyllisch geht es in der Kungsgata im Zentrum zu. "Coffee Cup" heißt eine Kaffeebar im amerikanischen Stil: Bagels, Coffee und Muffins sind hier die vorherrschenden Gaumenfreuden.

Das Café selbst geht über zwei Etagen und ist recht klein. Das Erdgeschoss wird vom Verkaufstresen bestimmt. Die Gäste sitzen auf Barhockern vor einer großen Fensterfront. Eine enge Wendeltreppe führt auf eine Galerie. Draußen auf dem Bürgersteig steht eine lange Bank an die vier kleine Abstellflächen montiert sind.

Für den Freund des koffeinhaltigen Heißgetränks ist das "Coffee Cup" ein echtes El Dorado. Die Kaffeebohnen, die hier aufgebrüht werden, sind eigens aus Südamerika importiert und in Göteborg geröstet worden. Andreas Broneke über die Spezialität des Hauses: Espresso Macchiato: "Das ist ein spanischer Kaffee mit ein bis zwei Schuss Espresso und einem Schuss aufgeschäumter Milch "

Der Klassiker bei den Gästen ist aber immer noch Café Latte und dazu ein Bagel. Kleiner Schönheitsfehler: Serviert wird in Einweggeschirr. Die Gäste scheinen sich daran nicht zu stören, sagt Helena Moberg: "Im Augenblick kommen viele Touristen. Die Stockholmer sind ja alle im Urlaub. Aber ansonsten sind in der Umgebung viele Büros. Also haben wir in der Mittagszeit auch viele Angestellte hier. Nebenan ist ein Kino und am Wochenende kommen die ganzen Kinogänger und beratschlagen bei einem Kaffee in welchen Film sie gehen wollen."

Ein besonderer Service ist das kostenlose Glas Wasser. Im Servicebereich neben dem Zucker und den Holzlöffeln steht immer eine Glaskaraffe mit frischem Wasser. Darin schwimmen Orangenscheiben - sieht gut aus und schmeckt auch lecker. So lecker, dass selbst Alexander Dumas seine Liste der drei wichtigsten Kaffeezutaten um eine vierte erweitert hätte.

Detlev Tenzer

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade ljud i menyn under Min lista