Vivianne Hallin Christensen - Erfinderin der Campinette

Es gibt eine Reihe von Frauen in Schweden, die geniale Ideen haben und umsetzen, Erfinderinnen. Vivianne Hallin Christensen ist eine von ihnen. In Schweden fördern staatliche Institutionen gerade auch Frauen, damit ihre Erfindungen umgesetzt werden.

„Ich habe immer superviele Ideen gehabt, aber nichts daraus gemacht. Und jetzt, im ´gesetzten Alter´, dachte ich - Ist mein Leben jetzt vorbei? Oder soll ich noch was Neues anfangen? Den Mut habe ich letztlich nach einem Aufruf vom Zentralamt für industrielle und technische Entwicklung , NUTEK, gefunden. ´Habt ihr gute Ideen, dann nehmt Kontakt mit uns auf´. Einige Monate habe ich noch gebraucht, dann habe ich dort angerufen."

Vivianne Hallin Christensen ist ´über 50´, klein und quirlig, mit vielen dunklen Locken, die rundum vom Kopf abstehen. Sie wirbelt durchs Zimmer und zeigt immer neue Fotos von Erfindungen oder Prototypen. Wie das Portemonnaie für Blinde, für das sie schon einen Preis und ein Stipendium bekommen hat. Ein Buchschieber für Bibliotheken, um leichter die Regale säubern zu können. Oder ein Werkzeug zum Bilder aufhängen: „Es tauchen jeden Tag neue Ideen auf!" ruft sie. „Zum Beispiel mit dem Bildaufhänger - als meine Tochter ihre Wohnung aufgab, zählte der Vermieter die Löcher in den Wänden und meinte, es müsse wohl neu tapeziert werden und sie solle die Kosten tragen. Sie ist ja Künstlerin und hat so viele Bilder. Und da dachte ich, es muss doch eine andere Möglichkeit geben, dass nicht jedesmal x Löcher in der Wand sind, wenn man ein Bild aufhängen will. Und dann wachte ich eines Morgens auf und wusste wie! Ganz leicht und einfach!"

Erfinderwelt ist eine Männderwelt
Aller Anfang ist schwer und ohne die beratende und finanzielle Unterstützung von NUTEK und anderen Institutionen wie zum Beispiel Innovativa Kvinnor, Innovative Frauen, wäre Vivianne nie so weit gekommen. Und dennoch: „Man ist ziemlich einsam als Frau, und in der Welt, in die ich jetzt reingekommen bin, gibt es nur Männer! Ich habe bislang nur gegen Männer arbeiten müssen, nicht gegen Frauen! Also, das war nun nicht superschwer. Aber ich habe ganz klar gemerkt, ja, nur weil ich eine Frau bin, hat das jetzt nicht geklappt und so was. Aber das war jetzt nicht so oft, meistens ist es gut gegangen. "

Viviannes größte Erfindung - vom Erfolg und auch vom Umfang her - ist die Campinette, ein geräumiges Zelt, das man direkt ans Auto anbauen kann: „Ich habe auf Campingplätzen so viele Familien gesehen, meistens mit Kindern, die im Regen zwischen Zelt und Auto hin und herliefen. Und alles war durchnässt und ein Teil der Familie saß im Auto, ein Teil stand davor - da dachte ich, es muss doch eine Kombination geben, ein wasserdichtes System, das an jeden Autotyp passt, nicht nur an eine Marke."

Heraus kam ein Zelt für vier bis fünf Personen, das an normale Autos, Kombis, Kleinbusse, Wohnmobile und zum Teil an Geländewagen passt. So kann man alle Vorzüge des Autos - Radio, Licht, Heizung, Sessel usw. genießen, muss nicht das Gepäck hin und her schleppen, und man kann auch mit dem Auto wegfahren wie aus einer Garage, ohne dass das Zelt zusammenbricht - dafür gibt es eine gesonderte Zeltwand. Die Erfindung hat Vivianne viel Zeit und Geld geraubt. In Schweden gab es keine passenden Nähmaschinen mehr, die den speziellen Zeltstoff verarbeiten konnten bzw. es war unbezahlbar.

Allein der Prototyp der Campinette hat fast 10.000 Euro gekostet. Inzwischen lässt sie die Zelte in China nähen. „Finanziell war es sehr schwer. Ich habe ja gerade am Anfang viel Hilfe bekommen vom Staat und den Innovativen Frauen, aber dann steht man einsam da. Man muss Kredite aufnehmen, ich bin jetzt mittlerweile bei 100 000 Euro angelangt. Und ich merke jetzt ja, ich habe viele Zelte verkauft in Schweden, ich weiß, dass es jetzt gut läuft. Ich hab soviel Rückmeldung bekommen von der Presse und von Käufern. Bald jeden Tag gehen hier E-Mails ein oder Anrufe, dass sie zufrieden sind. Und dann fühle ich, ja, jetzt habe ich etwas richtig Nützliches gemacht. Jetzt versuche ich noch, damit in die weite Welt raus zukommen, also nicht nur in Schweden damit zu bleiben."

Von Produktion bis Logistik alles in einer Hand
Und auch das ist nicht so leicht, ohne das passende Know-how. Vivianne kümmert sich auch selbst um den Vertrieb. Ihre Familie unterstützt sie, ihre Kinder sind begeistert von der erfinderischen Mutter und bestärken sie in allem. Für ihren Mann hingegen ist es nicht so leicht: „Naja, mein Mann, der sitzt ja zu Hause und muss ja schon einiges ertragen, weil ich rund um die Uhr hiermit beschäftigt bin. Ich mache ja alles alleine, die Entwicklungen, die Kontakte, langsam wird das schon was viel."

Und was andere, nicht so kreative Menschen mit Neid erfüllen könnte, Vivianne hat immer noch neue Ideen, die ihr zu jeder Gelegenheit in den Sinn kommen. „Das ist schon sehr anstrengend, das erleben ja wahrscheinlich viele, aber ich habe so viele Ideen, und dann das Gefühl, dass ich sie auch umsetzen will. Anfangs habe ich noch alles in ein Buch geschrieben, das kann ich aber nicht mehr länger machen, weil das schaffe ich ja nie mit allem, was ich da so reingeschrieben habe!"

Katja Bürki

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