Profiboxen bald nicht mehr verboten?

Auf der Landkarte des Profiboxens ist Schweden ein weißer Fleck. Denn hierzulande sind Profikämpfe verboten. So will es ein Gesetz aus den sechziger Jahren. Weil seit einigen Jahren mit Paolo Roberto ein schwedischer Staatsbürger Erfolge auf internationaler Bühne erzielt, wird über die Aufhebung dieses Verbotes laut nachgedacht.

Am 17. November hat er wieder gekämpft. Paolo Roberto bezwang den Argentinier Bejarano nach Punkten und darf sich WBC- meister im Weltergewicht nennen. Stattgefunden hat der Kampf nur wenige Stunden von Stockholm entfernt - allerdings auf finnischem Territorium - den Ålandinseln. Denn in Schweden sind Profiboxkämpfe verboten.

Doch Sportministerin Mona Sahlin hat die neue Beliebtheit des Boxsportes erkannt und erwägt eine Aufhebung des Verbotes: "Es handelt sich um ein sehr altes Gesetz aus den Sechziger Jahren. Das Profiboxen hat sich seitdem verändert. Darüber hinaus sind viele neue Kampfsportarten hinzugekommen. Da wird auch gegen den Kopf geschlagen und getreten und die sind nicht verboten. Heutzutage trainieren viele Boxer in Schweden, wollen Profiboxer werden. Die fahren dann nach Åland oder Dänemark um dort zu kämpfen. Ich hoffe, wir finden eine Regelung, bei der man eine Genehmigung für alle Formen des Kampfsportes benötigt."

Neues Gesetz nötig
Ministerin Sahlin will das Profiboxen nicht länger einseitig benachteiligen und gleichzeitig die anderen Kampfsportarten unter eine verbesserte staatliche Aufsicht bringen. Doch dazu muß dass Parlament ein neues Gesetz verabschieden. Die Vorsitzende der sozialdemokratischen Frauen Inger Segelström hat bereits angekündigt, dass sie gegen ihre Ministerin in den politischen Ring steigen will: "Das Profiboxen ist sehr extrem. Es geht darum, je mehr man den anderen verletzen kann, desto größer sind die Chancen zu gewinnen und desto mehr Geld verdient man. Für mich ist kein anderer Sport so von Gewalt geprägt wie das Profiboxen."

Segelström ist davon überzeugt, dass sich der Reichstag dem Ansinnen von Mona Sahlin verweigern werde. Es gebe einfach keine vernünftigen Argumente, Profiboxen wieder zuzulassen.

Doch bevor die Frage den Reichstag beschäftigen wird, nimmt sich eine staatliche Untersuchung des Themas an. Dabei sollen eventuelle Bedingungen und Anforderungen erarbeitet werden, die alle erfüllen müssen, die Wettkämpfe oder Training bei Kampfsportarten durchführen. Die mit der Untersuchung beauftragte Britt Solberg gibt sich jedoch vorsichtig, ob es zu einer Aufhebung des Verbotes kommen wird. Es gebe viele Argumente dafür aber auch dagegen - und mindestens genauso viele Vorurteile, deutet Britt Solberg an.

Der Ausgang der Untersuchung ist also ungewiß. Das Ergebnis der Untersuchung soll im März des kommenden Jahres vorliegen. Vielleicht fällt dann das Profiboxverbot, dass es außer in Schweden nur noch in Norwegen, Island, Nordkorea und Kuba gibt.

Dieter Weiand

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