Gourmettempel Östermalmshalle

In der Markthalle des Stockholmer Stadtteils Östermalm kommen Feinschmecker und Delikatessenliebhaber auf ihre Kosten. Wer seinen Gaumen mal so richtig verwöhnen will, kauft hier ein.

Morgens um halb zehn ist noch nicht viel los in der Östermalmshalle am Östermalmstorg - Stockholms erster Adresse in puncto Delikatessen. Die Fischhändler legen Kabeljaue, Krebse, Austern und Muscheln säuberlich auf das Eis in der Vitrine. Der Bäcker ordnet Baguettes, Vollkornbrote und Tortenstückchen. Der Fleischermeister schneidet italienische Mortadella in hauchdünne Scheiben, und die Kaffeeverkäuferin braut ihrem ersten Kunden einen starken Café Latte.

Wer die Östermalmshalle in der Stockholmer Innenstadt betritt, hat im ersten Augenblick das Gefühl, in einer Bahnhofshalle des vorigen Jahrhunderts zu stehen. Große gusseiserne Gerüste strecken sich an die 30 Meter in die Höhe und streben in der Mitte unter dem hölzernen Dach wieder zusammen. Überall hängen große Straßenlaternen. Durch die riesigen Fenster in den orangefarbenen Ziegelwänden flutet das Tageslicht in die altmodische Markthalle. Die Östermalmshalle ist ein Feinschmeckertempel - kein Schnellimbiss ist weit und breit zu sehen.

Wie zu Opas Zeiten

Nirgendwo sonst in Stockholm gibt es solch eine Palette hochwertiger Lebensmittel unter einem Dach, bestätigt Derrick Stevens aus Oxford: „Ich finde es Spitze. Hier findet man das alte, traditionelle Schweden." Die Qualität der Lebensmittel sei ausgezeichnet, schwärmt der Brite: „Ich habe schon viel Fisch gekauft, da ich so guten Fisch in England nur selten bekomme. Schwedischer Fisch ist einfach Extraklasse. Wir haben zwar auch solche Markthallen in England. Die sind meiner Meinung nach aber lange nicht so kultiviert und haben keinen so hohen Standard."

Verkaufstradition

Über hundert Jahre gibt es die Markthalle nun schon. Früher verkauften die Händler an vielen kleinen Ständen Waren jeglicher Art. Heute befinden sich hier ein Dutzend größerer Spezialgeschäfte sowie einige Cafés und Essstände. Das Angebot lässt jedes Gourmetherz höher schlagen: Essig aus der Toskana, provenzalische Trüffel, russischer Kaviar oder Austern aus dem Atlantik - es gibt kaum eine Delikatesse, die es hier nicht gibt. Käseverkäuferin Caroline Geideby erklärt das Besondere der Östermalmshalle: „Wir verkaufen zum Beispiel Käsesorten, die nicht aus großen Fabriken kommen, sondern aus kleinen Herstellungen. Das ist keine Massenware. Und das Fleisch hängen wir hier selbst ab. Dadurch ist natürlich die Qualität viel hochwertiger."

Ein Highlight der Halle ist der riesige Stand mit Meerestieren - wenn Saison ist, liegen hier auch rotleuchtende Flusskrebse aus. Sie sind in Schweden heiß begehrt - und teuer bezahlt. Der schwedische „Edelkrebs" sei seinen Verwandten in anderen Ländern weit überlegen, betont Fischverkäufer Conny Hallberg: „Es gibt hier zwar auch chinesische, türkische und amerikanische Krebse zu kaufen, aber die schwedischen schmecken wesentlich besser. Das hat auch damit zu tun, dass wir sie auf eine ganz bestimmte Art und Weise zubereiten. Wir kochen die Krebse nämlich mit Dill und Zucker und lassen sie dann im Kochwasser kalt werden. Wir essen sie mit Brot, Kartoffeln oder Knäckebrot. Die Krebse aus anderen Ländern werden einfach nicht so sorgfältig zubereitet."

Nur zum Gucken

Nicht alle Besucher der Östermalmshalle kaufen hier auch wirklich ein - die Delikatessen haben ihren Preis. Ein Besuch der Östermalmshalle lohnt sich aber auch für die, die nur schauen wollen, so wie Familie Karlsson aus der Nähe von Göteborg: „Das ist alles so geschmackvoll aufgebaut. Die Waren sind sehr lecker ausgestellt, wirklich eine Freude fürs Auge. Wir kommen vom Land. Da sind wir auch ein so großes Angebot nicht gewöhnt."

Die Östermalmshalle ist aber nicht nur Shoppingparadies für Feinschmecker, sondern auch beliebter Treffpunkt bei einer Tasse Kaffee. In einem der stilvoll eingerichteten Cafés kann man gemütlich eine Tasse Espresso oder heiße Schokolade trinken und dabei das geschäftige Treiben rund um die Gourmetstände beobachten. Auch für die, die nicht ganz soviel Geld in der Tasche haben, lässt sich so das Leben genießen.

Andrea Kalbe

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