Einwanderungsbehörde beschließt Internrevision

Bei der schwedischen Einwanderungsbehörde hagelt es Kritik. Fehlverhalten im Dienst und inhumane Behandlung von Asylbewerbern werden den Mitarbeitern vorgeworfen. Gleichzeitig steigt die Zahl der Asylsuchenden und das Einwanderungsamt weiß nicht wo es die Neuankömmlinge unterbringen soll.

Die schwedische Einwanderungsbehörde - Migrationsverket - hat eine interne Untersuchung ihrer Tätigkeit beschlossen. Der jüngste Anlass ist die Kritik an einem Heim für Asylbewerber in Säffle. Der Heimleitung dort wird unter anderem Bevormundung vorgehalten. So dürften die Heimbewohner ohne Genehmigung des Personals keine Arzt- und Zahnarztbesuche machen und ihre Post werde gelegentlich geöffnet, sagen die Kritiker. Ähnliche Zustände sollen auch in anderen Heimen herrschen.

Ein weiterer Kritikpunkt: In anderen Orten haben Behördenmitarbeiter Asylbewerber kurzerhand der Polizei übergeben, noch bevor sie den Bewerbern mitteilten, das ihre Anträge abgelehnt worden waren. Diese Art von Fehlverhalten ist in mehreren Fällen bekannt geworden.

Zu wenig Platz für zu viele Asylsuchende
Ein anderes Problem der Einwanderungsbehörde allerdings scheint sich zu lösen: Die Unterbringung. 6.000 Plätze für Asylbewerber werden 2003 für den wachsenden Strom der Asylsuchenden in Schweden benötigt, rechnet die Behörde. 4 000 davon sollen in Nordschweden untergebracht werden, während ihre Anträge bearbeitet werden. Denn dort gibt es im Gegensatz zu den dichter besiedelten Teilen Schwedens Wohnungen.

Doch Wohnraum allein ist nur die halbe Miete. Zur Betreuung von Asylsuchenden braucht man geschultes Personal, und das wiederum wohnt in der südlichen Hälfte Schwedens. In der nördlichen Region gibt es auch kein Amt, um Asylanträge zu bearbeiten. Bisher fahren Asylsuchende, die in Nordschweden wohnen, für ihre Behördenkontakte nach Stockholm.

Neues Satelittensystem soll Abhilfe schaffen
Jetzt will die Einwanderungsbehörde ein neues System testen, bei dem erfahrene Mitarbeiter aus anderen Landesteilen die Behördenarbeit in Nordschweden vor Ort organisieren. Anders Westerberg, stellvertretender Direktor der Einwanderungsbehörde, nennt das Satellitensystem: "Die Angestellten bauen das gleiche System auf, wie in den anderen Regionen: sie mieten Wohnungen, stellen neues Personal ein und bilden es aus, nehmen Asylsuchende in Empfang und sorgen dafür, dass alles funktioniert."

In Nordschweden gibt es nicht nur die erforderlichen Wohnungen sondern auch großes Interesse bei den Gemeinden. Erstens stehen in den dünn besiedelten Gebieten viele Mehrfamilienhäuser in kommunalem Besitz leer. Sie kosten also Unterhalt oder müssten abgerissen werden. Zweitens zahlt die Einwanderungsbehörde den Gastgemeinden pro Asylbewerber eine gewisse Summe, und drittens kann sicherlich auch ein Teil der arbeitslosen örtlichen Bevölkerung in den Heimen Beschäftigung finden.

Sybille Neveling

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