In der Dalapferdchen-Werkstatt

Das Dalapferd ist das Nationalsymbol Schwedens. Und deshalb verwundert es nicht, dass dieses Holztier kurz vor Weihnachten besonders beliebt ist. Bei Lars Olsson in Nusnäs bei Mora am Siljansee stehen die Maschinen in diesen Tagen nicht still, um das orange Schwedenpferd zu produzieren.

Es ist schon eine ganze Menge Übung nötig, um aus einem platten Stück Holz in drei Minuten die Rohform eines Dalapferdes herzustellen. Lars Olsson kann die Bewegungen wie im Schlaf: Geschickt führt er das Sägeblatt entlang der Linie, die den Umriss des Pferdes ausmacht. Dann formt der Mann um die 50 die Hinterbeine: Er sägt einen Keil aus dem hinteren Holzstück. Mit ruhiger Hand führt er den Hals des Pferdes an der Säge entlang - fertig ist die Vorlage für die Schnitzer.

Was heute mit Hilfe von Maschinen in Massenproduktion hergestellt wird, war früher ein Werk von vielen Stunden, erzählt Lars Olsson, der Sohn des Firmengründers: “In der Winterzeit waren die Bauern im Wald und haben gearbeitet. Und ihr treuster Freund war das Pferd. Das hat die Schwerstarbeit gemacht und das Holz gezogen. Und am Abend, wenn es dunkel war, dann haben sie dann eine Kopie des Pferdes als Kinderspielzeug geschnitzt, das sie den Kindern mitbrachten.”

Rentner schnitzen
Heute sind es 50 bis 60 Männer, vor allem im Pensionsalter, die sich mit dem Schnitzen die Rente aufbessern. Um die 100 000 Pferde verlassen so jedes Jahr die Werkstatt von Olsson, von wenigen Zentimetern bis über einen Meter groß. Und es gibt auch junge Schnitzer, die sich für das Dalapferd interessieren. Auf einem Schemel in der Werkstatt sitzt Anton. Hinter ihm ein großes Regal mit Rohlingen in Form von Pferd, Hahn und Schweinchen. Vor ihm ein nach frischem Holz duftender Stapel Kiefernholz. Mit seinen schwarz gefärbten Haaren sieht der Schwede eher aus wie ein Jugendlicher, der sich für Hardrock oder Internetsurfen interessiert als fürs Schnitzen. Mit gleichmäßigen Bewegungen und einem scharfen Messer verpasst er gerade einem eckigen Pferdebein die nötige Rundung.

“Durch das Schnitzen nehme ich dem Pferd die scharfen Kanten. Dadurch wird es rund und schön. Man darf nicht zu abgehackte Bewegungen machen. Die Arbeit ist eine gute Vorbereitung für mich, denn ich möchte Möbelschreiner werden”, erzählt Anton und vertieft sich wieder in seine Arbeit.

Keine Schnitzer leisten
Jeder Schnitzer hat seinen eigenen Stil, doch das Produkt ist immer das gleiche: das traditionelle orange Pferd mit der Bauernmalerei auf dem Rücken. Doch bevor es so weit ist, müssen die Holztierchen ins Farbbad. Einmal tief eintauchen, abtropfen, weiter geht’s, berichtet Olsson im über und über mit Farbklecksen bedeckten Raum für die Arbeit mit dem Bad in der Farbe. “Wenn sie das erste Mal getaucht worden sind, gucken wir nach Unebenheiten. Die spachteln wir dann zu. Und diese Stellen werden dann auch mit Sandpapier geschmirgelt. Aber das ist das einzige Mal. Denn wenn die Schnitzer das machen würden, würden sich die Holzfasern beim Färben aufstellen wie kleine Stacheln von Igeln, und das wollen wir nicht”, sagt Olsson.

Ein Muster, das in Dalarna am Siljansee Tradition hat und von dem Olsson auf keinen Fall abweichen kann. Er verziert ein wenig das Gesicht, als er sich an die Geschichte von der kanadischen Filiale des Möbelhauses IKEA erinnert. Die wollte vor einigen Jahren eine ganze Palette von Pferden bestellen und sie dann selbst anmalen. Nein, sagt Olsson bestimmt, das geht nicht. Schließlich sei das Pferd heute so ein Renner, weil es das Original ist. Doch es gab auch andere Zeiten: “1939, bei der Weltausstellung in New York war das Dalapferd gar nicht beliebt. Damals gab es ein etwa 3 Meter hohes Pferd. Und das hat den feinen Herren vom schwedischen Pavillon gar nicht ins Konzept gepasst. Aber bei den Journalisten ist es sehr gut angekommen und es wurde ausführlich darüber geschrieben”, erzählt Olsson.

Traditionelle Form
Das Muster der Pferde hat sich bis heute nicht verändert. In der Malwerkstatt sitzt Åsa Johannsson und wechselt mit schnellen Griffen die vier Pinsel aus, die vor ihr am Rande einer Farbpalette aufgereiht liegen. Mit dem breiten Malgerät trägt sie die eine Art vierblättriges Kleeblatt in blau als Grundform auf dem Rücken des Pferdes auf. Mit dem spitzen Pinsel deutet sie das Zaumzeug am Pferdehals in weiß an.

“Wir haben ein Muster, nach dem wir arbeiten. Ich mache das, seit ich klein bin, vier Jahre war ich da. Mamma malt, und ich bin damit aufgewachsen. Das ist eine Arbeit wie jede andere auch, sagt Åsa kurz angebunden und stellt ein fertiges Pferd zum Trocknen in die lange Reihe seiner Artgenossen im Regal hinter sich”, sagt Åsa Johansson.

Kleine Schildchen mit verschiedenen Wochentagen zeigen an, wann die Handwerksstücke fertig sind und in den Verkaufsraum zu all den anderen orangen Schwedensymbolen wechseln dürfen. Atmo drunter Da stehen sie dann mit Dalapferden in allen erdenklichen Größen, als Schlüsselanhänger, Magnet für den Kühlschrank und eben aus Holz in orange, so wie Lars Olsson sie eben am liebsten verkauft.

Agnes Bührig

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