Symbole für den leisen Abschied

Andere Länder andere Sitten. Das gilt nicht zuletzt für Familientraditionen und die großen Dinge des Lebens - und des Todes. In Schweden hat sich die Gestaltung der Traueranzeigen in den letzten Jahren zu einer zunehmend persönlichen Frage entwickelt. Die Zeiten in der einheitlich in allen Annoncen zwei schwarze Balken ein Kreuz bildeten, sind vorbei. Eine ganze Flora von Symbolen hat sich herausgebildet.

Eine Seerose. Eine Sonne, die im Meer untergeht. Ein Herz. Eine elektrische Gitarre. Ein Segelboot mit windgeblähtem, quergestreiftem Spinnaker. Ein Schwan im stillen Wasser. Computer. Schäferhund. Ein Teddybär. Ein Formel-1-Wagen.... "Autos und Wohnwagen haben wir gehabt, Motorräder", berichtet Anki Ågren aus der Anzeigenabteilung von Boråstidning fröhlich.

Die Tageszeitungen bieten ganze Listen mit Symbolen zur Illustration der Todesanzeigen an. Bei Boråstidning beispielsweise kann man 150 verschiedene Abbildungen im Internet begutachten, vom St. Ansgarkreuz bis zur Ziehharmonika.
Die früher so schmucklosen Todesanzeigen werden inzwischen phantasievoll gestaltet. Immer mehr Menschen wählen andere Zeichen als das klassische schwarze Kreuz. Manche dieser Zeichen haben immer noch typisch christliche Inhalte. So bringt die fliegende Taube den Ölzweig im Schnabel, und symbolisiert Gottes Vergebung.

Das Kreuz selbst entwickelt sich in diesem Zusammenhang zunehmend vom Todessymbol zu einem christlichen Glaubensbekenntnis, hat eine Untersuchung der Universität Lund ergeben.

Tradition wieder aufgenommen
Der Religionssoziologe Curt Dahlgren vermutet, dass man heute ein Symbol in die Todesanzeige setzen möchte, das in direktem Zusammenhang mit der oder dem Verstorbenen steht. In gewisser Weise nimmt man damit eine Tradition wieder auf, die in den 50-er Jahren in Schweden verschwand. Nämlich, den Beruf des Toten anzugeben. Damit wird es dann auch logisch heute z.B. ein Handy oder einen Computer abzubilden. Vermutlich hat die verstorbene Person beruflich irgendwie mit diesen Geräten zu tun gehabt.

Es kann also ganz modern ausschauen. Aber die Ewigkeitssymbole - so nennt sie der Fachmann - überwiegen noch immer. "Die Taube gehört zu den beliebtesten Motiven. Überhaupt Vögel und der Sonnenuntergang - und die Rose", weiß Anki aus Erfahrung.
Blumen sind allerdings nicht immer Ewigkeitssymbole. In Schweden hat jede Landschaft eine Blume, die für sie typisch ist. Und wenn diese Blume in der Todesanzeige abgebildet wird, dann kann das auch bedeuten, dass die Person aus der entsprechenden Landschaft stammt.

Blumen für Parteien
Übrigens haben auch die schwedischen Parteien für sie typische Blumensymbole. Die stilisierte Rose, das Logo der Sozialdemokratischen Partei beispielsweise taucht ab und zu auf. „ Sozialdemokraten haben wir gehabt. Also die Rose, aber das ist recht selten", erinnert sich die Mitarbeiterin der Anzeigenabteilung.

Es gibt auch Symbole, die Tabu sind. So sind die olympischen Ringe Goldmedallien-Gewinnern vorbehalten. Hammer und Sichel, Hakenkreuze oder das Portrait von Che Guevara sind überhaupt nicht gestattet. Allerdings ist ein Foto der oder des Verstorbenen möglich. „Neulich hatten wir eine Gedenkanzeige mit einem Foto des Verstorbenen. Sowas kommt mehr und mehr. In Göteborg zum Beispiel kommt das ja zunehmend. Aber bei uns ist es noch relativ selten", fügt Anki Ågren hinzu.

Mode und Trends also auch bei Todesanzeigen. Solche Annoncen tauchten zuerst Anfang des 19. Jahrhunderts in Deutschland auf. Die Kreuze darin jedoch erschienen erst wesentlich später. In der schwedischen Presse gibt es Anzeigen der heutigen Art ungefähr seit den dreißiger Jahren. Und Veränderungen bei den Sinnbildern werden erst in den letzten Jahrzehnten deutlich.

Persönlich gestalten
Im stark vernetzten Schweden gibt man auch Todesanzeigen häufig per Internet auf. Gerade die zunehmende Anonymität einer Gesellschaft, in der man seine Mitmenschen oft nur flüchtig kennt, weckt den Wunsch, die Anzeigen persönlich zu gestalten. Zu diesem Ergebnis kommt die Untersuchung der Uni Lund.

Ergreifend und besonders persönlich sind die selbstgemachten Abbildungen: "Manchmal hat auch ein Enkelkind etwas gemalt, dann versuchen wir, das auch in die Anzeige aufzunehmen", und so kommt es dass in den letzten Jahren auch krakelige Strichmännchen und sonstige Kringel die Todesanzeigen dekorieren”, berichtet Anki Ågren von Boråstidningen.

Sybille Neveling

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade ljud i menyn under Min lista