Alle Augen richten sich nach Orsa

Wahlkampfstimmung herrscht im März 2003 in der Gemeinde Orsa im mittelschwedischen Dalarna. Am 16.3. werden nämlich die Kommunalwahlen vom vergangenen Herbst 2002 wiederholt. Der Grund: Beim damaligen ersten Urnengang war nicht alles mit rechten Dingen zugegangen - 5 Stimmen waren nicht zur Auszählung gelangt. Normalerweise werden in Schweden Kommunal- und Reichstagswahlen gleichzeitig abgehalten. Die Wahl ist also eine landesweite Premiere.

Mitte März - im kleinen Orsa für gewöhnlich eine eher ruhige Zeit. Nicht so in diesem Jahr. Im sonst so beschaulichen Eisenbahn-Hotel hat hektische Aktivität Einzug gehalten; prominente Gäste aus Stockholm geben sich die Klinke in die Hand. Spitzenpolitiker aller Parteien sind vor Ort, und die Wähler strömen in Scharen den Wahlkampftreffen zu, berichtet Hotelchefin Susanne Kans: “Für mich ist die vergangene Woche phantastisch gelaufen. Normalerweise passiert hier nach dem Wasalauf nicht so viel, aber jetzt sind viele Parteichefs hier gewesen und eine Menge Publikum. Also meinetwegen könnte es öfter Neuwahlen geben.”

Politprominenz vor Ort

Am Donnerstag zum Beispiel reiste Justizminister Thomas Bodström nach Orsa, das im Moment von einer Koalition aus Sozialdemokraten, Liberalen und Grünen regiert wird. Die Diskussionen seien lebhaft gewesen, berichtet die Hotelchefin; insbesondere die Zukunft des örtlichen Polizeireviers habe im Mittelpunkt gestanden, so wie überhaupt bei diesen Kommunalwahlen vielfach lokale Probleme der so genannten großen Politik den Rang ablaufen.

Eine Frage jedoch hat die Menschen in Orsa wie anderswo in Schweden gleichermaßen aufgerüttelt: Auch zwei fremdenfeindliche Parteien treten an, um die Gunst der Orsaer Wähler zu erringen. Susanne Kans hofft, dass die Rechtspopulisten Schiffbruch erleiden. Die Leute sagen, dass man unbedingt zur Wahl gehen muss. Das ist jetzt das absolut Wichtigste. Anfang hatte ich so wie viele gedacht: so viele Leute werden nicht zur Wahl gehen. Aber in den letzten Wochen haben wir alle verstanden: das hier ist eine große Sache. Vor allem eben wegen dieser zwei Parteien. Ich denke, es wird umgekehrt kommen: nur ganz wenige werden nicht ihre Stimme abgeben, so die Prophezeiung der Hotelchefin. Am Sonntag wissen wir mehr.”

Anne Rentzsch

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