Steuerfest vor dem Finanzamt

Alle Jahre wiederholt sich das Schauspiel: Der Einsendeschluss für die jährliche Steuererklärung, wird vor den Finanzämtern mit spontanen "Straßenfesten" der Steuerzahler begangen. Wer die Steuererklärung zu spät abgibt muss mit einem Bußgeld rechnen. Anderseits legt aber auch so mancher seine Ehre darein, erst auf den letzten Drücker fertig zu werden…

Der Bürgersteig vor dem hohen Stockholmer Betonkoloss mit der Aufschrift "Skattemyndigeheten" sieht ganz nach Dorffest aus. Ein schwarzhaariger Mann hat einen Stand aufgebaut und reicht Würstchen rüber an jene, die das Gedränge hungrig gemacht hat. Greenpeace-Aktivisten in grünen Pullovern nutzen das Gewühl, um möglichst viele Flugblätter loszuwerden. Und die Sonne scheint. Doch die eigentliche Attraktion des Tages sind graue Mülltonnen, die in 50-Meter-Abständen auf dem Gehsteig stehen. Hier werfen pflichtschuldige Steuerzahler scharenweise ihre fertigen Steuererklärungen ein. Einer von ihnen ist Ola Mathisson. Er hat einen guten Grund, erst heute zu kommen: Ich bin erst gestern wieder nach Schweden gekommen. Ich hatte in Brasilien gewohnt und dachte jetzt, ich bräuchte die Steuererklärung erst bis zum 16. Fertig zu haben."

Insofern hat er Glück, dass er schon gestern in sein Heimatland zurückgekehrt ist und heute Hals über Kopf seine Erklärung noch machen konnte. Wäre er zu spät gekommen, hätte ihm nämlich eine hohe Strafe gedroht.

"Dann muss man eine Gebühr von 500 oder 1.000 Kronen bezahlen. Je nachdem man, ob man Privatperson oder Unternehmer ist", erzählt Nadja Brinner. Sie steht an einer der Tonnen und trägt eine Signalweste, die sie als Mitarbeiterin der Steuerbehörde kennzeichnet. Ihre Tonne ist es, in die auch Morgan Carlsson seine Erklärung wirft. - Mit gemischten Gefühlen: "Ich finde, wir bezahlen zu viele Steuern. Auf der anderen Seite müssen sie ja auch für ganz viele Ausgaben reichen. Senkt man die Steuern, so müssen andere Abgaben erhöht werden. Ich weiß nicht, was das Beste ist."

Auf jeden Fall ist er aber froh, dass er mit seiner Steuererklärung keine großen Probleme gehabt hat. Ihm sind die üblichen dreißig Prozent automatisch vom Bruttolohn abgezogen worden, er hat keine besonderen Einkünfte oder Ausgaben, die er geltend machen könnte, und so musste er seinen persönlichen Auszug, den die Steuerbehörde ihm zugesandt hat, nur kontrollieren, unterschreiben und hier vor dem Gebäude in eine Tonne werfen. Andere, die heute noch besondere Beratung brauchen, müssen ins Innere der Steuerbehörde, wo die große Nummernanzeige ihnen ihre Position in einer langen, langen Schlange anzeigt.

Beraterin Anne Joas hat heute viel zu tun. Obwohl viele Leute seit vergangenem Jahr ihre Erklärung auch von zu Hause über das Internet machen können. "Ich glaube, es ist vielleicht etwas weniger geworden. Auf der anderen Seite machen jetzt Privatpersonen und Unternehmer gleichzeitig ihre Erklärung. Vorher mussten die Unternehmer bis zum 30. März abgegeben haben. Jetzt reichen alle gleichzeitig ein. Also, was wegen des Internets weniger ist, das haben wir heute wegen der Erklärungen der Unternehmen mehr."

Wer seine Steuererklärung im Inneren des Finanzamts endlich geschafft hat, den spuckt die Steuerbehörde mit einem Schwall von anderen Menschen wieder aus, hinaus auf den Bürgersteig, wo er dann direkt vor dem schwarzhaarigen Mann mit seinem Würstchenstand zu stehen kommt.
Der wiederum hat seine Steuererklärung noch nicht abgegeben, erklärt er auf Schwedisch, er könne weder Schwedisch verstehen noch sprechen. Na ja, macht nichts. Statt mit der Sprache muss er sich als Unternehmer ja auch vor allen Dingen mit dem schwedischen Steuerrecht auskennen. Wenn er seine Erklärung bis zum Abend nicht abgegeben hat, dann drohen ihm wie gesagt 1000 Kronen Strafe. Das entspricht vielen, vielen Würstchen. Auf der anderen Seite: er macht heute hier vor den Toren der bevölkerten Steuerbehörde sicher ein gutes Geschäft.

Jan Graf

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