Greenpeace-Schiff in Stockholm

Am Kai der Stockholmer Altstadt machte ein Schiff der Umweltorganisation Greenpeace fest, die Arctic Sunrise. Drei Monate war es auf der Ostsee unterwegs und lief in einer Kampagne verschiede Häfen an, um vor Ort die Öffentlichkeit zu informieren.

Stewart Thompson arbeitet im Stockholmer Greenpeace-Büro. Der gebürtige Australier hat von Land aus geholfen die zurückliegende Kampagne zu organisieren. Zwei Greenpeace-Schiffe, die Esperanza und die Arctic Sunrise, waren ein Vierteljahr lang auf der Ostsee unterwegs. Thema ihrer Kampagne war "das Meer in der Krise" erzählt Thompson, die Öffentlichkeit sollte vor allem auf drei Fragen aufmerksam gemacht werden: "Erstens die Fischfrage. Zur Zeit versuchen wir ja hier in Schweden ein Dorschfangverbot zu erreichen und überhaupt neue Richtlinien für den Dorschfang. Die andere Frage betrifft die Schiffe. Wir möchten erreichen, dass nur noch sichere Schiffe auf der Ostsee fahren. Und drittens wollen wir in der Ostsee Gebiete haben, die besonders geschützt werden."

Der Rumpf der Arctic Sunrise ist grün gestrichen. Den Bug zieren zwei weiße Tauben, die einen regenbogenfarbenen Schweif hinter sich herziehen. An Steuerbord, so dass man es von der Stockholmer Altstadt gut sehen kann, hängt ein großes gelbes Plakat herab. "Ban Baltic Bandits" steht darauf. Diese Ostseebanditen, die verbannt werden müssten, seien unsichere Schiffe, Einhüllentanker wie die vor der französischen Küste gesunkene Prestige, die nach wie vor die Ostsee befahren dürften, so Stewart Thompson.

Der Kapitän der Arctic Sunrise, Daniel Pisoti, fügt hinzu, dass dies für ihn das wichtigste Thema dieser Kampagne gewesen sei. "Die Ostsee ist ein geschlossenes Meer, man kann es einen großen See nennen. Wenn hier ein Unfall passiert, dann ist das eine Katastrophe. Besonders, wenn diese Schiffe große Mengen Treibstoff transportieren."

Daniel Pisoti kommt ursprünglich aus Italien, lebt aber nun in Argentinien. Auf der "Arctic Sunrise" arbeitet er zusammen unter anderem mit Norwegern, Deutschen, und Libanesen. Viele Länder sind repräsentiert, unter anderem auch die Türkei.

Von dort kommt der Mannschaftsarzt Bahade Sa Atscham. "Das ist eigentlich schön, dass so viele Leute aus so vielen Kulturen, Traditionen kommen und jeder erzählt dem anderen, was er in seinem eigenen Land macht. Wie sie sich verhalten…Man macht Fortschritte, das hilft."

Der Mediziner aus Istanbul ist das erste Mal in Stockholm, genauso wie Flavio, der Matrose aus Brasilien, der gerade die Brücke weiß streicht. "Ja, eine sehr hübsche Stadt, ich hatte nicht so viel Zeit herumzulaufen, aber was ich gesehen hab´ war sehr hübsch", erzählt er und widmet sich wieder seiner Arbeit. In einer Woche muss Flavio fertig sein.

Denn dann verlässt die Arctic Sunrise Stockholm wieder mit Ziel norddeutsche Nordseeküste. Dort wartet eine neue Aufgabe auf die Mannschaft: In Zusammenarbeit mit mehreren Universitäten will sie die Bedingungen für einen zukünftigen Offshore Windpark ergründen. "Denn, wenn wir "Nein" sagen zu Atomkraftwerken, dann müssen wir Lösungen finden für erneuerbare Energien wie Windkraftanlagen oder Solaranlagen. Wir wollen Möglichkeiten dafür zeigen", erzählt Kapitän Daniel Pisoti.

Er ist bis vor acht Jahren noch auf großen Tankschiffen gefahren. Darunter waren auch die von ihm heute bekämpften Einhüllentanker. Wie der Kapitän, so hat auch sein Schiff sozusagen die Seite gewechselt. Die "Arctic Sunrise" tat früher Dienst in einer norwegischen Walfangflotte.

Jan Graf

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