Der schwedische Pistolenschütze Ragnar Skanåker hat an mehreren Olympischen Spielen teilgenommen und Edelmetalle nach Hause gebracht. (Foto: Tobias Röstlund / TT Schweden)
Ragnar Skanåker (Foto: Tobias Röstlund / TT Schweden)
Zielsicher

Rastloser Pistolensenior: Ragnar Skanåker

Dass man mit 69 Jahren durchaus noch Leistungssport betreiben kann, beweist ein Mann, der in Växjö lebt und aus Skåne stammt: Ragnar Skanåker - seines Zeichens Sportschütze in den Disziplin Luftpistole.

Sieben Mal hat er bereits an Olympischen Spielen teilgenommen und dabei so erfolgreich abgeschnitten wie kein anderer schwedischer Sportschütze zuvor. Doch damit gibt sich der Oldtimer nicht zufrieden. Zwischenzeitlich hatte Skanåker seine Karriere schon einmal beendet, nun ist er wieder zurück im Kreis der Athleten.

Einmal noch Olympia - das wäre sein großes Ziel. Ragnar Skanåker gehört immer noch zu den weltbesten Pistolenschützen. Für die Olympiaqualifikation hat es bisher nicht gereicht. Viermal schoß er denkbar knapp an einem Quotenplatz vorbei. Olympia ohne Skanåker - kaum denkbar, schließlich gewann der Schwede seit 1972 insgesamt vier Medaillen mit der Krönung Gold in München 72.

"Es juckt immer in den Fingerspitzen"
Das ist ein schönes Ergebnis einer Sportlerkarriere, möchte man meinen, doch Skanåker ist rastlos: "Ich finde es nett, in der großen Schützenfamilie noch immer dabei zu sein, mitzubekommen, wie sich der Sport weiterentwickelt. Ich kenne ja Sportschützen aus über 100 Ländern und viele schon seit 30, 35 Jahren. Die sind mittlerweile alle Trainer oder Funktionäre und können es überhaupt nicht begreifen, daß ich immer noch aktiv bin. Aber ich glaube, ich könnte selbst nie Trainer sein, weil es mich viel zu sehr in den Fingerspitzen jucken würde."

Deshalb nahm Skanåker im hohen Alter auch noch die Herausforderung an, in der deutschen Bundesliga zu schießen. Für Bremerhaven geht er auf Punktejagd und empfindet die Wettkämpfe vor lärmenden Zuschauern immer wieder als Höhepunkte einer schier unendlichen Karriere: "Ich hatte vor fünf Jahren schon aufgehört aus Familiengründen, frisch verheiratet, kleine Kinder, da hatte ich plötzlich an anderes zu denken, aber mittlerweile bin ich wieder geschieden und habe nun weitergemacht, weil ich glaube, dem Sport immer noch etwas geben zu können."

Die Popularität kam mit der Goldmedaille
Als erster Goldmedaillengewinner der Olympischen Spiele 1972 in München wurde
Ragnar Skanåker in seinem Heimatland Schweden schlagartig berühmt. Der unbekannte Pistolenschütze mit dem dichten Schnauzer stand im ungewohnten Rampenlicht: "Man hat ja zunächst keine Ahnung, wie sich das Leben durch so einen Olympiasieg plötzlich verändert. Gerade für Sportschützen ist von der Popularität her ein Olympiasieg mehr wert als zehn Weltmeistertitel. Eine Goldmedaille macht dich mit einem Schlag berühmt! Gleichzeitig mußte ich aber auch viel über die neue Situation lernen: Nach einigen Monaten war mir klar, daß man alles, was man in der Öffentlichkeit sagt, auf die Goldwaage legen muß. Gerade in Schweden, wo der Neid einem viele Feinde einbringt, muß man wissen, was man auf keinen Fall sagen darf."

Zum Beispiel trat er sich gleich nach seinem Olympiasieg ins Fettnäpfchen, als er in einem Interview erklärte, seine Nervenstärke für das Schießen habe er sich als Unternehmer in einem sozialdemokratisch regierten Schweden antrainiert.

Skanåkers Alltag: Tankstelle und Straßencafé
Skanåkers provokante politische Äußerungen, aber auch seine Vergangenheit als Militärpilot im Kongo wurden fortan in den Zeitungen breitgetreten. Heute betreibt er neben dem Sport eine Tankstelle und ein Straßencafé. Doch das Schießen ist nach wie vor das Wichtigste in seinem Leben, auch wenn sich in den Jahren vieles verändert hat: "Jetzt ist alles viel seriöser: keiner trinkt Alkohol, keiner raucht, alle sind freundlich und nett, das war in den 70er Jahren noch ganz anders, da rauchten sogar etliche, aber andererseits war die Trainingsintensität noch viel höher. Wir waren auch ein richtig zusammengeschweißtes Team und hatten die Fähigkeit, uns über die Medaillen und Erfolge der anderen mitzufreuen."

Viele würden sich auch heute noch freuen, wenn der älteste noch aktive Olympiasieger noch einmal an Olympischen Spielen teilnehmen könnte: "Ich werde auf alle Fälle noch nächstes Jahr weitermachen, auch wenn ich mich nicht für Athen qualifiziere. Wie´s dann weitergeht, werden wir seh´n."

Erich Wartusch

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