Taxi in die Schären

Vor der Küste Stockholms liegen tausende und abertausende Inseln und Inselchen, die Schären. Wenn man zu einer schönen, einsamen Insel raus fahren will, steigt man auf eines der Waxholm-Schiffe, die vom Strömkajen in der Stockholmer Innenstadt ablegen. Oder man ruft ein Taxiboot - eine schnelle und bequeme Art, in die Schären zu kommen.

Morgens um halb neun, zwei rote Eisenbänke mit Blumenkübeln daneben, eine rotweisse Holzhütte, ein betonierter, breiter Steg - "Sollenkroka brygga", die Anlegestelle von Sollenkroka. Rundum sitzen Grüppchen von Menschen auf großen Gepäckhaufen und warten aufs Taxiboot.

Lars Bäckmark will nach Västerö, einer kleinen Insel im Süden von Möja, der letzten Insel vor dem offenen Meer. "Ich habe ein so unglaublich langsames Boot. Damit dauert es sehr lange, bis man raus kommt. Seit vorigem Jahr fahre ich lieber erst mit dem öffentlichen Bus hierher und dann mit dem vorbestellten Taxiboot weiter. Mein eigenes Boot kann ich dann an der Felseninsel unseres Bootklubs draußen auf Västerö liegen lassen."

Eine gute Stunde lang braucht der Bus aus Stockholm bis nach Sollenkroka. Das Taxiboot braucht noch mal 35 Minuten bis nach Möja: "Das liegt weit draußen, aber es lohnt sich, hin zu fahren. Das Wasser wird so unglaublich sauber und klar. Wenn man raus kommt, so ab Sollenkroka ungefähr, das ist eine ganz neue Welt, die sich einem da eröffnet."

Auch Birgitta, ihr Mann Stefan und die beiden Kinder wollen nach Möja, zu ihrem Sommerhaus. Bei mehreren Passagieren wird die Fahrt mit dem Taxiboot gar nicht so teuer, hat sie ausgerechnet: "Wir fahren sehr oft mit dem Taxiboot, das ist preislich kein großer Unterschied. Fährt man mit dem Waxholm-Boot, trinkt man auch immer einen Kaffee und isst einen Happen dazu. Und es dauert viel länger, bis man da ist. Mit dem Taxiboot landen wir direkt an unserem Steg am Haus, da braucht man die vielen Sachen nicht so weit zu schleppen."

35 Minuten müssten Birgitta und ihre Familie sonst laufen, denn die Waxholm- Dampfer haben feste Anlegestellen, weiträumig verteilt. 70 Kronen, umgerechnet 8 Euro, kostet die Fahrt mit dem Gemeinschafts-Taxiboot pro Person, Kinder unter 12 fahren umsonst.

Die Tour nach Möja raus und wieder zurück wird mehrfach täglich angeboten. Man ruft einfach eine Handynummer an und bestätigt, dass man mitfahren will. "Früher habe ich immer gedacht, dass das sehr teuer ist mit dem Taxiboot", wundert sich Lars Bäckmark.

Auf die Minute pünktlich um neun Uhr morgens kommt das Seetaxi angetuckert. Die Bootsnase fährt hoch, eine Handvoll Leute steigt aus, eine andere ein. Vorne sitzt Schiffer Hasse Fogelström auf einem gut gefederten Schwingsessel mit wunderbarem Ausblick aufs Meer und die Inseln. Hinten können zehn, zwölf Passagiere sitzen. Heute stapelt sich das Gepäck an Bord.

Hasse legt ab, und Lotta lässt sich mit Schnaufer auf einen Sitz fallen. "Das ist Superklasse mit dem Taxiboot, finde ich. Man kommt bis ans Haus ran und es ist auch nicht so teuer! Für Familien mit Kindern ist das der gleiche Preis wie mit den Waxholm-Booten. Ich finde das hier viel besser, weil so viele Touren angeboten werden. Man hat mehr Auswahl. Ich hoffe, dass uns dieses Taxiunternehmen lange erhalten bleibt. Unser Sommerhaus ist seit vielen, vielen Jahren im Familienbesitz. Manche Jahre sah es schlecht aus mit den Taxibooten, aber jetzt ist das einfach super!"

Das große Motorboot umschifft zügig aber sanft Inseln und Felsnasen. Hasse sitzt entspannt in seinem Kapitänssessel, vor sich Kompass, Karten und Instrumente. Er macht den Job seit acht Jahren. "Ich habe drei Boote, und wir sind vier Fahrer. Aber es gibt ja noch viele andere Unternehmen hier. Allein in dieser Gegend sind es noch fünf weitere. Wenn du höhere Preise nimmst, fährst du weniger Touren. Da meine Boote immer fahren, braucht man nicht zwischendurch nach Hause und dann wieder neu zu starten, deswegen kann ich den niedrigen Preis halten."

Im Sommer fährt Hasse Fogelström sieben Tage die Woche Taxiboot, zehn bis zwölf Stunden täglich. "Ja, im Sommer ist tagsüber am meisten zu tun, im Winter fahren wir Luftkissenboote, wir halten die Schären auch im Winter offen."

Das Boot hat die Schäreninsel Möja erreicht. Einen versteckten privaten Anlegesteg nach dem anderen läuft Hasse an. Verlockende Buchten mit Badefelsen, hinter Bäumen schimmern die Sommerhäuser durch. Der letzte Steg liegt auf Västerö, dann kehrt Hasse um, lädt die nächsten Gäste ein, und dann geht es wieder zurück nach Sollenkroka.

Katja Bürki

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