Schokobälle in Sjöbo

Eine Konditorei in Südschweden beschäftigt derzeit den Ombudsmann für ethnische Diskriminierung. Stein des Anstoßes ist ein Backwerk, dass das Familienunternehmen unter dem Namen „Negerboll", Negerball verkauft.

Seit 14 Jahren betreibt Familie Andersson in Südschweden eine Konditorei. Mit originellen Bezeichnungen für ihre Backwerke will der Betrieb sich von der Konkurrenz absetzen. Da gibt es Japaner, Französische Baisers und eben - Negerbälle. Über diesen Ausdruck stolperte vor mehreren Wochen ein Kunde aus Stockholm. Nachdem zwei Aufforderungen an den Konditor, den Namen des klebrigen Backwerks zu ändern, erfolglos blieben, zeigte er den Fall beim Ombudsmann für ethnische Diskriminierung, kurz DO, an.

Zuerst habe er nur darüber gelacht, erzählt Konditor Fredrik Andersson. Doch dann sei ihm aufgegangen, dass der Fall ernst werden könnte. Die traditionelle Bezeichnung "Negerboll" für das Backwerk ist inzwischen nicht mehr politisch korrekt.

Ausländerfeindliches Sjöbo?
Besonders pikant wird der Fall, weil er sich in dem Ort Sjöbo zuträgt. Dort beschloss die Bevölkerung 1988 in einem Referendum, keine Flüchtlinge aufzunehmen. Sjöbo ist seitdem im ganzen Land als ausländerfeindlich verschrien. Kommunalrat Stefan Lundgren musste viel Überzeugungsarbeit leisten, um das hässliche Erscheinungsbild seiner Gemeinde wegzupolieren. Die Entscheidung doch Flüchtlinge in Sjöbo aufzunehmen hat sicherlich wesentlich zu dem Imagewechsel beigetragen.

Doch jetzt dieser Backwerk-Skandal. Trotzdem weigert sich Konditor Andersson standhaft, den Namen „Negerball" gegen einen politisch korrekteren Ausdruck wie bspw. Schokoball einzutauschen. Der Ombudsmann für ethnische Diskriminierung will den Fall in einigen Wochen behandeln.

Bezeichnung ´Neger´ mit Sklaverei und Unterdrückung verbunden
Doch bereits im Vorfeld lässt DO durchblicken, dass der Ausruck Negerball heute nicht mehr zeitgemäß ist. "Viele verstehen einfach nicht, das diese Bezeichnung für zahlreiche Menschen eine Kränkung darstellt", sagt Margareta Wadstein von DO. Das Wort Neger sei stark verknüpft mit Sklaverei und Unterdrückung. Dass das Gebäck der Anderssons immer so geheißen habe, könne man als Argument einfach nicht gelten lassen, so Wadstein. Ausländerfeindlichkeit jedoch will DO dem Familienunternehmen nicht unterstellen, eher Unwissenheit und Naivität.

Konditor Andersson bleibt trotz der landesweiten Proteste weiter hartnäckig. "Wir werden den Namen so lange benutzen, wie es geht", sagte er der schwedischen Zeitung Dagens Nyheter. Und schlecht scheint er mit dieser Einstellung nicht zu fahren: Neben zahlreichen Zusprüchen, die die Familie in den letzten Wochen aus der Bevölkerung erhalten hat, scheint dieser Fall einen weiteren positiven Effekt zu haben: Der Verkauf der süßen brauen Bällchen ist stark gestiegen.

Ulrika Koch