Kopftuch am Arbeitsplatz verpönt

Das schwedische Arbeitsgericht hat heute in einem viel beachteten Schleier-Fall entschieden. Eine Muslimin aus Helsingborg hatte geklagt, ihr sei wegen Tragen eines Schleiers ein Arbeitsplatz verweigert worden. Das Gericht urteilte zu Gunsten des Unternehmens - das Tragen des Kopftuches, so hieß es, sei nicht Ausschlag gebend für die Entscheidung über die Besetzung des Arbeitsplatzes gewesen. Der Schleier am Arbeitsplatz dürfte weiter ein heiß diskutiertes Thema in Schweden bleiben.

Verschleierte Frauen sind im schwedischen Berufsleben bisher noch eine Seltenheit. Zu denjenigen, die sich gegen harte Widerstände der Arbeitgeber durchgesetzt haben, gehört die Göteborger Kassiererin Rabi Etas. "Es geht um einen Meter Stoff, um nichts anderes", meint sie. "Schließlich führt nicht mein Kopftuch die Arbeit aus, sondern ich."

Die fröhliche, flinke Frau scheint für den Job einer Kassiererin in einem Supermarkt wie geschaffen. Ihr Kopftuch ist in Schwarz und kräftigem Rot gehalten. Drei Jahre ist es her, seit sie es erstmals auf der Arbeit trug.

"Als ich zum ersten Mal mit dem Tuch an der Kasse saß, war das schon ein komisches Gefühl", erinnert sie sich. "Ich war mächtig nervös, ich wusste ja nicht, wie die Reaktionen ausfallen würden. Aber das Ganze lief prima. Für mich selbst war das ein Sieg und nicht zuletzt Revanche gegenüber meinen früheren Chefs."

Tüchtig trotz Kopftuch

Frühere Arbeitgeber hatten der Frau mit Kopftuch jeweils die kalte Schulter gezeigt. "Einer sagte mir, du kannst was, du bist tüchtig, daran liegt es nicht - aber die Kunden könnten an deinem Aussehen Anstoß nehmen. Ich kann mir nicht leisten, Kunden zu verlieren."

Kopftuch oder nicht - selten zuvor stand diese Frage in Schweden so im Blickpunkt des Interesses wie in den vergangenen Monaten. Eine Ansagerin beim Schwedischen Fernsehen in Stockholm, eine Lektorin in Umeå, eine Krankenschwester in Växjö - sie alle hatten den Kampf für das Kopftuch im Job aufgenommen und Schlagzeilen gemacht. Vielleicht in 100 Jahren sei Schweden reif für berufstätige Frauen im Kopftuch, so der Kommentar eines Unternehmers, der sich selbst bislang entsprechende Reife noch nicht zutraut.

Die Kassiererin Rabi Etas sieht das anders: "Wir sind schließlich überall zu sehen, in der Straßenbahn, im Supermarkt, an der Uni", meint sie. Jetzt gelte es, auch im Arbeitsleben mit mehr Selsbtbewusstsein aufzutreten.

Anne Rentzsch

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