Schlemmen zwischen Buchregal und Kuchentheke

In einer urigen Ecke des Stockholmer Stadtteils Norrmalm liegt - ein wenig abseits des Trubels am Jarlaplan - das "Cookbook Café". Für Einwohner wie Touristen ein Geheimtipp mit dem gewissen Extra: Denn hier ist es möglich, bei Pasta, Salat oder Cappucino in Kochbüchern zu schmökern und die neuesten Ratgeber rund ums Essen direkt zu erstehen.

Schon von außen macht das "Cookbook Café" einen gemütlichen Eindruck: Trotz der gelegentlich vorbei fahrenden Autos findet man hier eine Stätte der Ruhe und Erholung. Im kleinen Stadtpark direkt vor der Tür zwitschern selbst im Spätsommer noch Vögel in den alten, hohen Bäumen, Kinder spielen, Menschen schlendern vorbei. In der Mittagspause genießen die Kunden des kleinen Cafés die warmen Sonnenstrahlen und warten gespannt auf ihr Essen oder schlemmen bereits eines der "Gerichte der Woche". Ein Gast schwärmt: "Es ist herrlich: Du kannst draußen sitzen und den Park betrachten. Und das Essen ist auch abwechslungsreich! Sie ändern das Menue ständig. Außerdem fühle ich mich durch die Kochbücher hier immer wieder inspiriert."

Konzept: Kochlustige Schweden
Im Innern des Cafés geht es jetzt, gegen halb eins, geschäftiger zu. An Tresen, Bar und um die Tische herum herrscht reger Betrieb. Hinter der Theke wirtschaften die beiden Betreiberinnen Lisa und Monica Eisenman, 31 und 29 Jahre jung. Immer freundlich und gelassen nehmen sie Bestellungen entgegen, tragen Speisen, Getränke und Geschirr umher. Oder sie beantworten hilfsbereit Fragen von Kunden, die von der speziellen Geschäftsidee der Geschwister beeindruckt sind.

Den Anstoß zur Gründung des Cafés, das Gastronomie und Kochbuch-Handlung verbinden sollte, erhielten die beiden vor vier Jahren. Damals besuchten sie ihr Vorbild in London, das "Books for Cooks", auf Deutsch: "Bücher für Köche". "Uns fiel auf, dass ins "Books for Cooks" viele Schweden bzw. Skandinavier kamen", erzählen sie. "Deshalb haben wir uns gedacht: Das Konzept könnte auch in Stockholm funktionieren. Die Schweden interessieren sich ja sehr stark fürs Kochen."

Kochen mit "Feng Shui" und "Star Trek"
Kochbücher im Café - das ist das Besondere. In den Regalen fallen Exemplare mit eher gewöhnlichen Titeln ins Auge: "Min Mat", "Bröd" oder "Lax". Aber es gibt auch exotische Exemplare wie "Kochen mit Astrologie", das "Feng Shui-" und das "Star-Trek-Kochbuch". Auf einem großen Tisch liegen Sonderangebote: "Maten från Havet", also "Speisen aus dem Meer", ist heute beispielsweise von 240 auf 198 Kronen reduziert.

Und was interessiert die Kunden? In der Bücherecke stöbert Ann-Marie Vallgrén zwischen den Ratgebern - und ist fündig geworden. "Das hier ist "Martha Stuarts Handbuch für Hors d´Oeuvres". Ich schaue mir das an, weil ich selbst aus der Branche komme und zu Hause Gäste empfange. Darum bin ich auf der Suche nach Tipps, was ich da servieren könnte." Eva Björkegren treibt die wissenschaftliche Neugier. "Ich finde, Kochbücher haben eine historische Perspektive. Zum Beispiel liefern sie Informationen über altbewährte Gewürze. Ich denke deshalb, dass es heute nicht mehr bloß "Koch"- Bücher sind, sondern, dass es auch um Länder und fremde Kulturen geht. Das ist sehr interessant und wichtig für die Welt heutzutage!"

Erlebnisse für die Sinne
Die Inhaberinnen des "Cookbook Cafés" setzen eigene Prioritäten, was ihre Kochbücher anbelangt. So erklärt Lisa Eisenman: "Ein Kochbuch darf nicht zu viele seltsame Zutaten vorschreiben, denn das schreckt die Leute ab. Trotzdem sollen die Zutaten aber lecker sein und Geschmack verleihen - ein Geschmacks-"Erlebnis" eben!"

Das richtige Gespür für die Wünsche der Kundschaft, Interesse am Kochen und "den richtigen Riecher" (oder besser: "Geschmackssinn"), über all das verfügen die Eisenmans. Doch heißt es nicht in Deutschland: "Viele Köche verderben den Brei"? Wie funktioniert ein solcher Betrieb mit zwei Chefinnen? Und: Wer macht den Abwasch? Lisa sieht keine Probleme, was die schwesterliche Zusammenarbeit betrifft: "Wir finden immer die Balance, wenn es darum geht, was wir kochen wollen. Wir reden miteinander stets über alles: Wenn die eine ein Rezept entdeckt, setzen wir uns zusammen und diskutieren darüber."

Das "Cookbook Café" - eine gute Idee, die sich seit der Eröffnung im Jahr 2000 bewährt hat.

Inka Thaysen

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