Friedens-Nobelpreis 2003 für Shirin Ebadi

Der diesjährige Friedens-Nobelpreis geht an die Iranerin Shirin Ebadi. Dies gab das Nobelkomitee in Oslo bekannt. Damit würdigt das Komitee den Einsatz der Juristin für Demokratie und Menschenrechte in ihrem Heimatland, so der Direktor des Nobelinstitutes, Ole Mjös.

Shirin Ebadi kann auf einen jahrelangen Einsatz für die Menschenrechte in ihrer Heimat zurückblicken. Die Juristin, die ihre Ausbildung im Iran und in Frankreich absolvierte, war die erste Frau, die in ihrem Heimatland Richterin wurde. Als Folge der islamischen Revolution 1979 musste sie ihr Amt aufgeben und arbeitete seitdem als Anwältin.

Als solche engagierte sie sich vor allem für Verfolgte und deren Familien. Für diesen Einsatz nahm sie vielfach Repressalien wie Gefängnisstrafen und Hausarrest in Kauf. Zusammen mit Freunden gründete Ebadi ein Kinderhilfswerk und setzte sich verstärkt für die Rechte von Frauen und Regimekritiker ein. Dieses selbstlose Engagement hob der Direktor des Nobelinstitutes Ole Mjös bei der Verkündung der Nachricht besonders hervor:

„In einer Ära von Gewalt ist Shirin Ebadi konstant für Gewaltlosigkeit eingetreten. Für sie ist von grundlegender Bedeutung, dass die höchste politische Macht einer Gesellschaft auf demokratischen Wahlen fußt."

„Kein Gegensatz zwischen Islam und Menschenrechten"
Ferner heißt es in der Begründung des Nobelkomitees, dass Ebadi als bewusste Muslimin keinen Gegensatz zwischen dem Islam und den grundlegenden Menschenrechten sieht. Die 54-jährige in Teheran geborene Juristin erfuhr in Paris von der Entscheidung in Oslo. Dem norwegischen Fernsehen sagte sie: „Ich bin sehr glücklich und stolz und hoffe, daß ich für die Menschenrechte im Iran noch Vieles bewegen kann. Dieser Preis ist nicht nur gut für mich, sondern auch für die Demokratie, die Menschenrechte, besonders die Rechte für Kinder in meinem Land."

Politische Beobachter in Schweden bewerteten die Entscheidung des Nobelkomitees als klares Zeichen gegen die weltweite Verurteilung des Islam. Dass eine gläubige Muslimin den Preis in diesem Jahr erhalten habe, sei, wenige Monate nach dem Krieg in Nachost, sicherlich kein Zufall.

Mit Shirin Ebadi geht der seit 1901 verliehene Friedens-Nobelpreis zum mittlerweile elften Mal an eine Frau.

Ulrika Koch

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