Fußball-Frauen holen Silber

Die schwedischen Fußball-Frauen mussten sich nach einem packenden Spiel und dem Golden Goal in der Verlängerung gegen die deutsche Auswahl geschlagen geben. Die Damen kehren trotz der Niederlage bei der Weltmeisterschaft in den USA als Heldinnen heim: Die Weichen für eine rosige sportliche Zukunft sind gestellt.

Die Stockholmer Sportbar O´Learys ist eigentlich den hartgesottenen Fans der schwedischen Herren-Clubs vorbehalten. Doch am Sonntagabend verfolgen sie hier vor dem Bildschirm aufgeregt gestikulierend den Finalkrimi bei der Weltmeisterschaft im kalifornischen Carson. Ein Aufschrei des Entsetzens geht durch den Saal, als die frisch eingewechselte Nia Künzer in der 98. Minute das Golden Goal für das deutsche Team schießt.

Doch nach dem Spiel gibt es Schulterklopfen und tröstende Worte für die schwedischen Fußballfrauen: "Frauen-Fußball hat mich nicht die Bohne interessiert", gesteht dieser Besucher der Sportbar O´Learys. Aber jetzt sei das anders: Der Erfolg mache die Sache spannend. Es mache einfach Spaß, sich das anzusehen.

"Früher war es nur gute Unterhaltung", meint dieser Fan: "Jetzt ist es ein Riesenspektakel und die Mädels haben objektiv gesehen gerade die besseren Chancen, groß herauszukommen", sagt er. Und hofft innerlich, dass seine Freundin sich künftig mehr für die Sportschau interessieren wird.

Beeindruckendes Spiel der schwedischen Auswahl
Sollte sie, weil die schwedischen Fußball-Frauen nach dem Spiel in Carson keineswegs wie die Verlierer dastehen. Hanna Ljungberg etwa hatte in der 41. Minute den Führungstreffer für die blau-gelbe Formation erzielt. Durch das perfekte Zusammenspiel mit Stürmerin Victoria Svensson kam die Schwedin dem deutschen Tor immer wieder gefährlich nahe. Dennoch überwog bei Ljungberg zunächst die Enttäuschung über den zweifelhaften Freistoß, der in der achten Minute der Verlängerung die Entscheidung brachte.

"Im Augenblick ist es hart, aber mit etwas Distanz können wir wohl sehr stolz auf das Erreichte sein", sagt die Profi-Spielerin: "An diese Wochen hier werden wir uns wohl das ganze Leben erinnern. Alle haben ihr Bestes gegeben und ich bin froh, dass ich dabei sein durfte." Die Mannschaft habe einen "klasse Kampf "geboten, meint auch Nationaltrainerin Marika Domanski Lyfors: "Gute Pässe, viele Chancen. Das nächste Mal werden wir mehr holen als Silber."

Auch Ebba Andersson war begeistert von der Vorstellung der Frauen: 1966 gründete sie mit einigen Frauen im südschwedischen Västergötland die erste Frauen-Liga in Schweden. Damals mussten sich die Frauen noch wenig schmeichelhafte Kommentare anhören.

"Die haben die hübscheren Beine"
"Einige fanden, Mädchen hätten in der Männerbastion Fußball nichts zu suchen", erzählt sie: "Andere kamen nur deshalb zu den Spielen, um sich unsere Beine anzusehen. Und eine Zeitung schrieb gar: Gebt den Frauen den Pokal, die sind doch viel hübscher anzusehen als wir Männer."

Mit dem Traumfußball im Endspiel hätten die Frauen diese Zeiten ein für allemal hinter sich gelassen, meint Mattias Göransson, Redakteur beim Fachmagazin "Offside": "Ihr Spiel ist sehr viel besser geworden. Sie trainieren härter, sie haben eine professionelle Einstellung und gerade im Clubbereich und in der Champions League haben sie auch die besseren Spielerinnen als die Herren-Mannschaften."

Der schwedische Frauen-Fussball habe sich in den letzten 10 Jahren rasant entwickelt, freut sich Göransson. Beim Publikumsinteresse, in den Medien und beim Nachwuchs - überall sind die Frauen auf dem Vormarsch. Deshalb sei es nun Zeit, fordert Göransson, dass auch die Einnahmen aus den Übertragungsrechten der Rundfunksender sowie die Sponsoren-Gelder fair zwischen Männern und Frauen geteilt werden.

Alexander Budde

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