Handwerk lernen im Freilichtmuseum

Für viele schwedische Schüler steht am Ende eines Schuljahres eine wichtige Entscheidung an: Sie müssen wählen, welchen Weg sie in ihrer gymnasialen Laufbahn einschlagen sollen. Der eine baut eher auf theoretisch-humanistische, der andere auf technisch-praktische Inhalte. Bei der Orientierung gab es nun Unterstützung: Der Stockholmer "Skansen" richtete für die Jugendlichen einen Informationstag zum Thema Handwerk aus.

Das "Stadskvarteret" im Freilichtmuseum Skansen: Hier flaniert der Besucher zwischen Gebäude-Nachbildungen einer Stadt im Schweden des 19. Jahrhunderts. Die kopfsteingepflasterten Gassen säumen aber nicht nur Wohnhäuser, sondern vor allem auch verschiedene Werkstätten. Und warum mag hier wohl gerade so viel los sein? Menschengetuemmel, Stimmengewirr? Jugendliche soweit das Auge reicht...

Werbetromel rühren fürs Handwerk
"Stockholms Hantverksförening", der Handwerkerverband der Stadt, hat in Kooperation mit dem Museum einen Informationstag für Schüler eingerichtet, die sich beruflich orientieren wollen. Gleichzeitig soll für praktische Berufe geworben werden. Der Verantwortliche für Ausbildung bei der Handwerksakademie, Jens Vollmer, ist überzeugt von dem Projekt: "Wir haben - in Zusammenarbeit mit "Skansen" - diese Initiative ins Leben gerufen, um zukünftige Gymnasiasten zu informieren. Die müssen nämlich entscheiden, ob eine handwerkliche Ausrichtung in der weiterführenden Schule für sie in Frage kommen könnte." Stolz fügt er hinzu: "Wir haben enorme Resonanz erhalten! Es werden heute insgesamt rund 2300 Schüler hier sein."

Tatsächlich tummeln sich ganze Schulklassen aus der Umgebung in Silberschmiede, Buchbinderei und der kleinen Schusterei. Dort wird gerade in altertümlicher Weise eine Sohle angenagelt. Einer der Schustermeister, Göte Karlsson, prophezeit: "In fünf, sechs oder zehn Jahren wird es einen großen Mangel an richtig sachkundigen Schustern geben. Deshalb ist es wichtig, dass die Schüler das Handwerk vernünftig lernen - dann sind sie in Zukunft versorgt."

Gute Berufsaussichten
Handwerkliche Berufe bieten also eine gute Perspektive. Ist das eine Motivation für die Schuelerinnen und Schueler? Die 14-jährige Alexandra meint: Ja! "Ich möchte mich ein bisschen umschauen. Es ist ja gut zu wissen, was es so alles gibt - für die Zukunft."

Neben der Schülerin hat die Lehrerin Cathrine Ardin Platz genommen, um sich eine Pause zu gönnen und ihr Mittags-Brötchen zu verzehren. Von der "Bredängsskola" in Stockholm ist sie mit ihrer 9. Klasse angereist. "Das hier ist sehr geeignet für die Jugendlichen", findet die Lehrerin. "Sie müssen sich schließlich orientieren, wenn sie ihre weitere Ausbildung planen. Und vielen werden sich heute sicherlich neue Wege auftun!"

"Tradition und Erneuerung" - so warben die Veranstalter für dieses Ereignis im Zeichen des Handwerks. Es ist ihnen gelungen, moderne Perspektiven vor einem historischem Hintergrund zu vermitteln - sicherlich ein Denkanstoß für viele Jugendliche. Vielleicht werden einige von ihnen jenen Weg einschlagen: Schwedens zukuenftige Bäcker, Maler und Tischler...

Inka Thaysen

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