Elchjagd bei Erbsensuppe und Punsch

Mitte Oktober hat in weiten Teilen Schwedens die Elchjagd begonnen. Rund 250.000 Jäger werden in den nächsten drei Monaten etwa 100.000 Tiere erlegen. Dabei spielen bestimmte Rituale und viel Disziplin bei dem jährlich wiederkehrenden, traditionsreichen Spektakel eine Rolle - auch in Värmland.

Morgens um halb acht: Die 15-köpfige Jagdgesellschaft sammelt sich bei strahlendem Sonnenschein auf dem äußersten Ende einer Halbinsel am See Visten in der mittelschwedischen Provinz Värmland. Der Leiter Per Anders Örtendahl gibt letzte Anweisungen. Es gilt, die Standorte der Schützen und Strecken der Treiber bekannt zu geben. Letztere sind die fleißigen Helfer, die in dem 650 Hektar großen Revier die Elche vor die Flinten der Jäger treiben werden. Per Anders Ehefrau Inger übernimmt diese Aufgabe seit nunmehr 15 Jahren mit Leib und Seele: "Es ist einfach wunderbar, im Wald zu spazieren, besonders an solch einem schönen Tag. Selbst wenn es regnet - ich liebe es, in der Natur zu sein."

Die Jadg beginnt
Aufbruchstimmung. Die Jagdgesellschaft setzt sich in Bewegung. Die Schützen bewegen sich zu ihren Stellplätzen, die Treiber werden zu ihrem ca. ein Kilometer entfernten Einsatzort chauffiert. Bevor ein Schütze seine Flinte auf ein Tier richten darf, bedarf es besonderer Vorbereitungen, erklärt Anders Örtendahl, Sohn des Grundbesitzers und von Beruf Forstwirtschaftler: "Jede Jagdgesellschaft verlangt von ihren Teilnehmern, dass sie an einem jährlichen Probeschießen teilnehmen, das heißt man schießt auf ein bewegliches Ziel mit insgesamt 16 Schuss. Zusätzlich muss man eine staatliche Jagdlizenz erwerben und zuvor ein Jägerexamen ablegen, mit Prüfungen in Theorie und Praxis."

Die Elchjagd kann beginnen. Während die Schüzten Position beziehen, maschieren die Treiber, mit einem Abstand von etwa 100 Metern durch den Wald. Um in Kontakt zu bleiben, aber auch um Elche, die sich im dichten Gestrüpp verstecken, aus der Deckung zu scheuchen, wird mit Stöcken eifrig an Bäume geklopft.In die beschauliche Stille fällt plötzlich ein Schuss. Spannung kommt auf; ist da ein Elch zu Boden gegangen? Wenig später steht fest: Joakim Öberg hat ein Elchkalb erlegt.

"Plötzlich sah ich eine Elchkuh mit ihren beiden Kälbern ruhig am Seeufer entlang spazieren", erzählt er aufgeregt. "Ich wählte eines der Kälber als Zielobjekt aus, dann schoß ich in die Lunge. Das Tier ging gleich zu Boden und war sofort tot. Die beiden anderen umkreisten das tote Kalb, mich sahen sie nicht, weil ich still stand, um sie nicht zu erschrecken. Dann verschwanden die beiden in Richtung Wald. Es war ein sehr spannender Moment, der gleich darauf in eine Art Glücksgefühl überging."

Delikatesse Elchherz
Ein Tier ist kurz nach Beginn der Jagd bereits erlegt. Zwei ausgewachsene Elche und unbegrenzt viele Kälber - das ist die Beutemenge, die die Provinzregierung der Jagdgesellschaft in diesem Jahr zubilligt, erklärt Anders Örtendahl. Jetzt muss das tote Tier vor Ort ausgenommen werden. Traktorengeräusch - ein Traktor holt es ab und bringt es in eine nahegelegene Scheune. Früher wurden die Innereien eines Elches noch häufig zur Wurtsverarbeitung verwendet. Darauf verzichtet man heute zumeist. Nur das Herz eines Elches gilt nach wie vor als Jägertrophäe, berichtet Inger Örtendahl: "Das Herz ist ein Muskelfleisch, was etwas ganz besonderes ist. Geräuchertes Elchherz ist eine Delikatesse. Das Fleisch ist ganz zart und kein bisschen zäh".

Der Vormittag ist herum. Die Männer und Frauen sitzen um ein Lagerfeuer bei Würstchen und heißem Tee und erzählen von den Freuden der Jagd. Für Tobjörn zum Beispiel macht eine eine Jagd drei Dinge aus: Das Soziale, die Natur und die Spannung beim Schießen. Valle aus Göteborg hat recht spät mit dem Jagen angefangen. Für ihn bedeutet es pure Freiheit, mit seinen Hunden im Wald zu sein. Das Schießen, so sagt er, ist ihm weniger wichtig. Für Anders, den Forstwirtschaftler, ist die Jagd eine äußerst spannende Angelegenheit. Die Tiere zu beobachten, in der freien Natur zu sein und mit dem Gewehr auf der Lauer zu liegen - das ist für ihn faszinierend.

Jäger haben Nachwuchssorgen
Der Tag geht zur Neige. Joakim Öberg hat am Nachmittag ein weiteres Elchkalb erlegt. Morgen will die Jagdgesellschaft erneut ihr Glück versuchen. Per Anders Örtendahl, der vor 21 Jahren seine Leidenschaft fürs Jagend entdeckte, zieht für den ersten Tag eine positive Bilanz: "Das schönste an dieser Jagdgesellschaft ist, dass so viele junge Leute dabei sind. In Schweden gibt es ein Problem: Die Jäger werden immer älter. Daher war es für mich von Anfang an wichtig die Jungen mit einzubeziehen, so wie Jonas, Tobjörn und Anders. Wichtig ist aber auch für die Zukunft, dass wir die jungen Frauen in unsere Gesellschaft mit einbinden."

Momentan, so scheint es jedoch, kommen die Jäger auch einen Tag ohne ihre besseren Hälften gut klart. Der Tag endet feucht fröhlich in einer urgemütlichen Holzhütte bei Erbsensuppe und warmem Punsch.

Ulrika Koch

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