1952 Abgeschossen

Rätselraten über das Schicksal der DC-3

Ein Bergungsteam in der Ostsee arbeitet damit, ein schwedisches Spionageflugzeug aus der Tiefe zu ziehen. Die Maschine vom Typ DC-3 war 1952 auf einem Erkundungsflug von der Luftwaffe der Sowjetunion abgeschossen worden. Durch die Hebung erhofft man sich Hinweise auf das Schicksal der Flugzeugbesatzung.

Ein halbes Jahrhundert hat das schwedische Spionageflugzeug am Grunde der Ostsee gelegen. Erst in diesem Sommer entdeckten drei historisch interessierte Privatleute das Wrack vor der Insel Gotland in rund hundert Meter Tiefe. Die schwedischen Streitkräfte entschieden sich zur Bergung des Flugzeugs. Endlich sollte Licht ins Dunkel eines Traumas kommen, dass die Schweden ebenso beschäftigt hat wie die Estonia-Katastrophe, der Mord an Olof Palme oder an Anna Lindh. Aber die Arbeit des U-Boot-Bergungsschiffes Belos scheint sich schwerer zu gestalten als erwartet.

Bergung mit Schwierigkeiten
125 Meter unter der Belos liegt die DC-3, durch Stahltrossen mit dem Schiff der schwedischen Marine verbunden. Roboterarme sammeln Gegenstände, die um das Flugzeugwrack herum am Meeresboden liegen, in einen Korb. Einer der neuesten Funde ist ein Rohr. In der Taucherzentrale an Bord der Belos geht man davon aus, dass es sich um eine Abgasleitung, einen Auspuff, handelt. Aber am Bildschirm ist das schwer zu erkennen.

Eigentlich wollte man schon wesentlich weiter gekommen sein mit den Bergungsarbeiten. Aber das Wetter und der Zustand des Flugzeuges haben dem Team einen Strich durch die Rechnung gemacht. Vor ein paar Tagen hat die Bergungsmannschaft das Innere des Wracks mit einer Unterwasserkamera besichtigt, und dabei wurden große Risse entdeckt. Im Heck des Flugzeuges hat sich außerdem viel Sediment abgesetzt. Der Kapitän der Belos, Fredrik Hallström, wiegt besorgt den Kopf:

"Wir haben uns ja schon vorher unsere Gedanken gemacht, ob das Flugzeug ein Heben aushält. Die Festigkeit ist aber noch schlechter als wir erwartet hatten. Es besteht die Gefahr , dass das Heck des Flugzeugs beim Heben abfällt."

Was genau passierte mit der DC-3?
Seit dem 13. Juni 1952 liegt die DC-3 am Grund der Ostsee. Mitten im Kalten Krieg verschwand das Flugzeug bei einem Ausbildungsflug - wie es hieß. Viel mehr erfuhren Bevölkerung und die Angehörigen der Besatzung damals nicht. Neben Schock und Trauer traten eine Vielzahl ungeklärter Fragen und das ungute Gefühl, dass Verantwortliche Entscheidendes wissentlich verschweigen. Der wirkliche Auftrag der DC-3 verblieb jahrzehntelang unklar. Erst 1991 gab die Sowjetunion offiziell den Abschuss der Maschine zu. Die Schweden waren noch zögerlicher mit ihren Informationen an die Öffentlichkeit. Darüber, dass es sich um einen Aufklärungsflug - um Spionage - gehandelt hatte, wurde die Bevölkerung erst 1993 offiziell in Kenntnis gesetzt. Darüber was mit der Besatzung des Flugzeugs geschehen ist, wird bis heute gerätselt. Wurde sie gefangen genommen und in sowjetische Gefangenenlager gebracht? Kamen die acht Besatzungsmitglieder beim Absturz ums Leben?

Noch hüllen sich die schwedischen Streitkräfte in Schweigen, ob man jetzt an Bord des Wracks menschliche Überreste gefunden hat. Wenn ja, könnte man sie vielleicht mit Hilfe von DNA-Tests identifizieren und so ihr Schicksal klären.

Spurensuche geht weiter
"Für die Angehörigen ist es natürlich das Beste, mit Sicherheit zu wissen, was damals geschehen ist", sagt Kapitän Hallström. "Und wenn das nicht geht, können wir durch eine technische Untersuchung feststellen, wie das Flugzeug auf die Wasseroberfläche aufgeschlagen ist und ob die Besatzung dabei ums Leben kam. Die Menschen, die da unten im Wrack liegen sind ja unsere Kollegen, man fühlt sich mit ihnen verbunden."

Die meisten Experten gehen davon aus, dass die Besatzung der DC-3 unmittelbar beim Absturz ums Leben kam. Das Wrack ist übel zugerichtet, haben Unterwasserkameras gezeigt: Der rechte Flügel wurde durch den Aufprall abgerissen, der Bug ist vor dem Armaturenbrett stark eingedrückt, die Spanten sind gebrochen und die Aluminiumverschalung des Flugzeugs ist von Kugeln durchsiebt.

Sybille Neveling

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