Schweden beteiligt sich am Wiederaufbau des Irak

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, appellierte an die Staatengemeinschaft, großzügig zu sein und dem Irak zu helfen. Doch die internationale Geberkonferenz in Madrid ist weit davon entfernt zum Erfolg zu werden. Länder wie Frankreich und Deutschland haben von Beginn an signalisiert, dass sie – vorerst - nicht zahlen werden. Schweden dagegen gehört zu den wenigen Ländern, die bereits mit konkreten Zusagen im Gepäck angereist sind.

30 Millionen US-Dollar will die schwedische Regierung für den Wiederaufbau des Irak bereitstellen. Diese Summe wirkt wie der Tropfen auf den heißen Stein. Nach Zahlen der Weltbank benötigt der Irak bis 2007 rund 36 Milliarden US-Dollar für den Wiederaufbau.

Doch die schwedische Delegation merkt an, dass es sich im Falle des Irak um ein reiches Land handele. Ein Teil der Mittel könne durch den Verkauf der Erdölreserven finanziert werden. Dabei wird auch an andere Quellen gedacht: So leben in Schweden rund 70.000 Iraker, die sich am Aufbau des Landes mit Spenden beteiligen könnten.

"Heisses Eisen"

Die Hilfsorganisationen dagegen betrachten die Geberkonferenz mit Skepsis. Gunnar Hellgren arbeitet für ”Star of Hope” im Süden des Irak. Schnelle Hilfe sei zwar dringend nötig, die Beteiligung Schwedens an der Konferenz sieht er jedoch auch unter einem anderen Licht: ”Diese Geberkonferenz ist ein heißes Eisen, finde ich. Die ganze Frage muss durchdacht werden. Wer hier mitmacht, hat Teil an dem ganzen Prozess, der zu der Situation überhaupt geführt hat.”

Hellgren stellt sich damit auf die Seite Frankreichs und Deutschlands, die den Krieg gegen den Irak nicht durch Hilfeleistungen nachträglich legitimieren wollen. Diese Sichtweise teilt die frischgebackene Ministerin für Entwicklungshilfe, Carin Jämtin, jedoch nicht: ”Das kann man schon so sehen, aber mit der jüngsten Resolution im Weltsicherheitsrat hat sich das Bild geändert und die Vereinten Nationen haben eine stärkere Rolle bekommen. Mit Hilfe der UNO werden wir Infrastruktur, Verwaltungen, Organisationen und Schulsystem wieder aufbauen.”

Sicherheit gefordert

Die Hilfsorganisationen verweisen darauf, dass die Lage im Irak seit der Bombardierung des UNO-Hauptquartiers in Bagdad zunehmend unsicherer geworden ist. Hilfeleistungen seien daher häufig schwer zu erbringen. Auch Ministerin Jämtin legt Wert auf konkrete Zusagen der Besatzungsmächte im Irak: ”Wir haben immer deutlich gesagt, dass wir nur unter der Regie der UNO arbeiten wollen. Wir wollen schließlich die Bedürftigen erreichen. Eine Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die Sicherheit besser wird. Und dafür sind die Besatzer verantwortlich. Das schreibt das Völkerrecht vor. Sie müssen dafür sorgen, dass die Gelder wirklich nutzbringend verwendet werden können.”

Die Forderung nach Sicherheit hat auch Generalsekretär Kofi Annan zu Beginn der Konferenz ausgesprochen. Das Treffen in Madrid wird somit zur ersten Bewährungsprobe, ob die Amerikaner mit der Unterstützung der internationalen Gemeinschaft rechnen können. Die nächsten Monate werden jedoch zeigen, ob die Amerikaner und ihre Verbündeten imstande sind, für die nötige Sicherheit im Irak zu sorgen.

Dieter Weiand

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade ljud i menyn under Min lista