Künstliches Blut

Bereits seit Jahrzehnten versucht man in den USA, Blut auf künstlicher Basis herzustellen. Der entscheidende Durchbruch bei diesen Bemühungen geschah nun allerdings in Schweden. Zum ersten Mal in der Welt gelang an der Stockholmer Uniklinik Karolinska ein Versuch, bei dem Versuchspersonen synthetisch erzeugtes Blut erhielten.

Am Forschungsinstitut der schwedischen Streitkräfte fanden bereits erfolgreich Versuche mit Schweinen statt, bevor sich nun im Stockholmer Karolinska Krankenhaus auch bei den acht menschlichen Probanden keine unerwünschten Nebenwirkungen zeigten. Getestet wurde ein Kunstblutpräparat in Pulverform Namens Hemospan, - Produkt eines Herstellers aus dem kalifornischen San Diego.

Künsliches Blut: ein Jahrhundert-Traum
In den USA träumten die Forscher bereits vor fast 100 Jahren von der Möglichkeit, Blut künstlich herzustellen. Doch nach mehreren fehlgeschlagenen Patientenversuchen war es dort in der Vergangenheit allerdings schwer geworden, neue Genehmigungen für Kunstblut-Experimente zu bekommen. Diesem Umstand ist zu verdanken, dass sich nun Schweden, ohnehin weltweit anerkannt für seine Leistungen auf medizinischem Gebiet, dieses Durchbruchs rühmen darf.

Professor Bengt Fagrell, der die Studie am Karolinska leitete, ist seit fünf Jahren Ratgeber des kalifornischen Pharmaherstellers. Falls das Produkt wirklich zugelassen werde, sagt er, sei das eine Revolution. Unabhängig von der Blutgruppe könnten Helfer das Präparat im Rettungswagen und direkt am Unglücksort einsetzen.

Vorteile: Verträglichkeit und Haltbarkeit
Das Kunstblutpulver lässt sich nämlich einfach verabreichen, indem es in normaler Infusion gelöst wird. Und: Es verträgt sich mit jeder Blutgruppe. Anders als echtes Blut lässt es sich jahrelang aufbewahren und muss nicht auf mögliche Infektionen getestet werden. Die ersten Tests ergaben auch, das das neue Blut besser Sauerstoff im Körper transportiert. Das könnte möglicherweise helfen, Gewebeschäden zu begrenzen, die zum Beispiel durch einen Sauerstoffmangel bei Herzinfarkt verursacht werden.

Neben allen Vorteilen berge Hemospan allerdings auch ein kleines Risiko, so Professor Bengt Fagrell: "Dies wäre sicher ein ausgezeichnetes Dopingmittel. Aber es enthält eine Substanz, die Polyethylenglycol heisst. Die ist leicht nachzuweisen im Blut. Da wird man entdeckt."

Als nächstes wird Hemospan bei Operationen getestet. Sollte sich die Versuchsreihe erfolgreich fortsetzen, so könnte das neue Blut bereits in wenigen Jahren im klinischen Alltag zu haben sein.

Jan Graf

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