Gedenken an 63 Todesopfer

Fünf Jahre ist es her, da starben bei einem Brandanschlag auf eine Diskothek in Göteborg 63 Jugendliche. Gestern abend versammelten sich Eltern, Angehörige und Freunde am Ort des Geschehens, um der Toten zu gedenken. Am Donnerstag findet am Abend ein Gedenkmarsch und im Anschluss daran eine Gedenkstunde in Göteborg statt.

Der Vater einer Überlebenden läutet mit seinem Saxophonspiel die Schweigeminute ein. Es ist 23.46 Uhr. Um exakt diese Uhrzeit vor fünf Jahren ging der erste Alarm von den Räumen der Mazedonischen Gemeinde in Göteborg los, erinnert sich eine der Überlebenden Nicole Devon. Es sei nicht leicht gewesen hierher zu kommen, erzählt die junge Frau. Ihr Herz habe stark gepocht, das hätte sie vorher nicht gedacht. Knapp 400 Jugendliche hatten sich an diesem schicksalhaften Abend zu einer Halloweenparty eingefunden, doch nur 150 Personen waren für die Räumlichkeiten offiziell zugelassen. Als das Feuer ausbrach, kam Panik auf. Jeder versuchte, das Lokal so schnell wie möglich zu verlassen. Doch die Notausgänge waren durch abgestellte Möbel, die rasch Feuer fingen, versperrt.

Rache für Rauswurf
Die wohl schwerste Brandkatastrophe in der Geschichte Schwedens geht auf das Konto vier junger Männer. Aus Rache für ihren Rauswurf aus dem Tanzlokal hatten sie das Feuer gezündet. Alle vier wurden im Jahr 2000 zu langen Haftstrafen verurteilt. Der jüngste von ihnen ist inzwischen wieder auf freiem Fuß und lebt mit neuer Identität an unbekanntem Ort in Schweden.

63 Rosen, für jedes der Brandopfer eine und genauso viele brennende Kerzen stehen auf dem provisorischen Altar am Ort des Geschehens. Sheila Devon, Mutter der Überlebenden Nicole, hat viel aus dieser Brandnacht gelernt. Sie ist heute nicht etwa besorgter um ihre Tochter, sondern ein ganzes Stück gelassener. „Meine Tochter hat heute viel mehr Freiheiten als früher", gesteht sie. "Obwohl die Disko so nah an unserem Zuhause liegt, konnte dieses Unfassbare geschehen. Deswegen lasse ich sie heute auch mit ihrer Klasse nach Afrika reisen, ich bin jetzt viel toleranter geworden.“

Schadensersatz unklar
Fünf Jahre nach der Brandkatastrophe ist die Regelung der Schadensersatzzahlungen an die Hinterbliebenen nicht endgültig abgeschlossen. Ein Zivilgericht in Göteborg sprach im Juni einer Frau, die bei dem Brand ihren Sohn verloren hatte, 11.000 Euro Schadensersatz zu. Ein Erfolg für die Angehörigenorganisation. Bisher waren in solchen Fällen Summen in Höhe von 5.500 Euro üblich. Weitere Klagen anderer Angehöriger sind nun wahrscheinlich. Um Katastrophen, wie die in der Göteborger Diskothek künftig zu verhindern, hat der Rettungsdienst seine Präventionsarbeit seitdem verstärkt. Am 1. Januar soll zudem ein neues Gesetz in Kraft treten, das helfen soll, solche Brandkatastrophen künftig zu verhindern.

Ulrika Koch

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