Strittiges Studienobjekt Wolf

Das Musikmärchen „Peter und der Wolf" von Sergej Prokofjew endet damit, dass der Wolf die Ente frißt und dafür hinter Gittern landet. In Schweden geht es den Wölfen bedeutend besser. Obwohl sie in einigen Gebieten des Landes regelmäßig Haus- und Nutztiere reißen, stehen sie unter besonderem Schutz. Das führt landauf landab zu handfesten Konflikten.

Im 19. Jahrhundert galt der Wolf in Schweden als ausgerottet. Erst in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts tauchten vereinzelte Exemplare wieder in den Wäldern Mittelschwedens auf. Heute leben in Skandinavien zusammengerechnet 100 Wölfe, davon rund 70 in Schweden.

Das Interesse an ihnen ist enorm. Rund eine viertel Million Euro investiert der schwedische Staat jährlich um die Lebensweise des skandinavischen Wolfes zu erforschen. Die Tiere werden mit GPS-Sendern ausgestattet, um sie auf Schritt und Tritt im Auge zu behalten.

Håkan Sand ist Projektleiter des Forschungsinstituts der schwedischen Landwirtschaftsuniversität in Grimsö: „Der skandinavische Wolf unterscheidet sich in mehreren Punkt vom nordamerikanischen. Bei uns lebt er in viel größeren Revieren von mindestens 1000 Quadratkilometern. Er bewegt sich auch über wesentlich größere Strecken. Als Nahrung dient hauptsächlich der Elch. Ein Wolfsrudel reißt ungefähr alle fünf Tage ein neues Tier. Wölfe kommen durch Krankheiten, Verkehrsunfälle, Ertrinken, legale und illegale Jagd, sowie durch interne Rivalitäten im Rudel zu Tode."

Wölfe unerwünscht
Des einen Freud, des anderen Leid. Während sich Wissenschaftler mit Enthusiasmus und Forschergeist dem Leben und Wirken des Wolfes widmen, wünschen Teile der Bevölkerung Mittelschwedens den Wolf dorthin wo der Pfeffer wächst, berichtet Anders Örtendahl, Forstwirt aus Värmland: „Zum einen sind es Jäger, die Angst um ihre frei laufenden Hunde haben, zum anderen Bauern, die um den Verlust ihrer Nutztiere auf den Weiden fürchten."

Allein im Oktober wurden mehrere Jagdhunde in Värmland von Wölfen totgebissen. Für die Besitzer ein schmerzlicher Verlust, obwohl der Staat mit Schadenersatz in die Bresche springt.

Wie es einem Jäger ergehen kann, der aus Versehen einen Wolf erlegt, berichtet Anders Örtendahl: „Im letzten Jahr hat ein Jäger, der eigentlich einen Fuchs erlegen wollte, fälschlicherweise einen Wolf erschossen. Vorschriftsgemäß meldete er den Fall bei der Polizei. Die Konsequenz war, dass er seinen Jagdschein verlor und rund 10 000 Euro Bußgeld bezahlen musste. Zur gleichen Zeit erschoß ein anderer Jäger aus Versehen einen lettischen Beerensammler im Wald. Auch er verlor seinen Jagdschein, brauchte aber nur 350 Euro Strafe zu zahlen."

Eine bizarre Geschichte, die in den betroffenen Regionen für eine Menge Unmut sorgte. Ist ein Menschenleben in Schweden etwa weniger wert als das eines Wolfes?
Schweden sei das einzige Land weltweit, kritisiert Anders Örtendahl, dass Unsummen in die Erforschung des Wolfes investiere. Überall sonst, gelte der Wolf als gefährliches Raubtier, in Rußland sei sogar ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt. In Kanada lebe der Wolf ein weitgehendst freies Leben, sei aber in der Vergangenheit auch dort gründlich erforscht worden.

Studien in Schweden
Studien über den Wolf existieren, so die Kritiker, mittlerweile zuhauf. Da müsse doch in Schweden nicht auch noch jahrelang geforscht werden. Doch Wolfsprojektleiter Håkan Sand widerspricht: „Wir können nicht einfach die Forschungsergebnisse aus Nordamerika auf unsere Verhältnisse hier übertragen. Der skandinavische Wolf lebt nun einmal anders. Und wenn wir darüber etwas erfahren wollen, müssen wir ihn auch hier erforschen."

Bis 2005 soll nach den Zielen der Regierung der Wolfbestand auf ca. 200 Tiere angewachsen sein. Wer den Spaziergang in den mittelschwedischen Wäldern schätzt, muss sich jedoch nicht vor Meister Isegrim fürchten: „Wir haben wirklich Verständnis für Leute, die seit seiner Wiederkehr Angst vor dem Wolf haben. So ist es überall auf der Welt. Aber der Mensch ist nicht wirklich vom Wolf bedroht. Der letzte tödliche Vorfall war hierzulande vor 180 Jahren", tröstet Håkan Sand.

Ulrika Koch

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